Argentinien - Iguazu Wasserfälle - Roger Anderes Fotografie

Argentinien - Iguazu Wasserfälle

Reisedauer: 9. März — 3. April 2019

Gefahrene Kilometer: 3’201km

Nach erholsamen 5 Tagen auf der Posada Cavieres, wo Roger noch einen Kurzauftritt als Schreiner hatte, verliessen wir diese mit neu gerichteten Küchenschränken und Eingangstüren.

Das 2 074 km entfernt Foz do Iguazu in Brasilien war unser nächstes Fernziel, weshalb es viele Kilometer abzuspulen gab. Aufgrund der zum Teil recht öden Landschaft und des sehr durchgezogen Wetters, hatten wir nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Das Stück Wallis in der Pampa wollten wir uns jedoch nicht entgehen lassen und bogen deshalb von der Ruta 19 nach S. Jeronimo del Norte ab. Die Auswanderkolonie feierte im 2008 Ihren 150. Geburtstag und damit ihr fast vergessenes Schweizer Erbe. Roger wurde vor 11 Jahren durch einen Zeitungsartikel auf diesen Ort aufmerksam, behielt ihn und wusste wahrscheinlich damals schon, dass er mal hierherkommen möchte. Da die Argentinier von 13:00 - 17:00 Siesta machen, war die auffallend saubere Stadt bei unserer Ankunft wie ausgestorben, nicht mal streunende Hunde, auf die man sich eigentlich immer verlassen konnte, waren auszumachen. Wir kochten Kaffee und liessen bei der Plaza den Ort auf uns wirken. Bald näherte sich ein Auto und wir freuten uns, dass es da doch Leben gab. Ein Herr stieg aus und stellte sich uns als Senior Oggier vor. Auch er hat Walliser Wurzeln, sprach selber aber keine Silbe „Walliser Dütsch“, wie er selber zugab. Er offerierte uns kurze Zeit später eine Ortstour, wollte uns zwei Schweizer auf keinen Fall ziehen lassen, ohne mehr von diesem Ort zu erfahren. Er chauffierte uns zuerst zum Friedhof, wo wir auf Grabstätten mit fast ausschliesslich Schweizer Familiennamen trafen und den Ort richtig mystisch erlebten. Später konnte Roger mit seinem Schreinerfreund etwas fachsimpeln und dann besuchten wir einige seiner Kameraden, die anscheinend „Walliser Dütsch“ sprechen, nur nicht mit uns ;0). Wir lachten oft herzhaft, deren Dialekt für uns meist undefinierbar. Nach dem Sportkomplex machte dann Wilhelm Tell im Helvetia Haus, wo heute noch viele Schweizer events, wie u.a. der 1. August, abgehalten werden. Nach über 3 Stunden bedankten wir uns bei der herzlichen Frohnatur mit einem Schweizer Sackmesser und lehnten seine Einladung zur Übernachtung ab, zu müde waren wir, uns überhaupt noch zu unterhalten, unsere Spanischkenntnisse wurden aufs Höchste gefordert.

Am nächsten Morgen liess uns eine Nachricht von lieben Reisebekannten, die wir im 2017 in Australien kennengelernt haben, das Brot im Hals stecken... Auf dem Cargoschiff, welches mit ihrem rollenden zuhause auf dem Weg nach Südamerika war, brach Feuer aus. Der Umfang des Geschehnis war für uns nicht greifbar, liess uns aber an nichts anderes mehr denken. Als uns am Nachmittag ihre Nachricht erreichte, es sei gesunken, und damit auch ihr Südamerika-Traum, stand bei uns die Welt für einen Augenblick still. Der Vorfall berührte uns sehr, weshalb wir pausierten....

Nach 2 Tage standen wir an der Paraguayanischen Grenze. Den Weg nach Brasilien, genau gesagt nach Foz do Iguazu, wählten wir via Paraguay, weil wir damals in Ecuador von zwei Reisenden eine Einladung für Weihnachten 2018, zu ihnen nach Paraguay, erhielten. Obwohl wir uns ein bisschen verspätet haben, standen ihre Türen noch immer für uns offen. Wir genossen gesellige Tage mit ihnen in ihrem wunderschönen und gemütlichen Haus mit grossem Garten. Komischerweise war es nicht das grosse Bett, das Conny nach Monaten im Auto am meisten genoss, sondern das grosse, flauschige Frottétuch nach dem Duschen.

Bald verabschiedeten wir uns wieder in gegengesetzte Richtungen. Während sie langsam zum Hafen von Montevideo fuhren, um weitere Vorhaben und Träume zu realisieren, zogen wir im Dauerregen weiter nach Brasilien - Kunststück ist es hier so grün, die Luftfeuchtigkeit klebrig hoch.

Nach nur 5 Tagen Paraguay standen wir also zum zweiten Mal in Brasilien, und somit auch wieder mal einer anderen Sprache gegenüber. Praktisch ist aber, dass sie Spanisch verstehen, einfach auf Portugiesisch antworten. Nicht so praktisch ist, dass wir kein Portugiesisch verstehen - hahaha! Wir freuten uns aber trotzdem auf die wenigen bevorstehenden Tage hier, schliesslich meisterten wir ja auch schon das Pantanal.

Das Wetter schwächelte noch immer, für uns schon ungewöhnlich lange, durften wir doch so oft, oder zumindest fast immer, wenn‘s uns wichtig war, mit der Sonne reisen. Die Luftfeuchtigkeit hoch, die Nächte klebrig warm und deshalb schlafarm. Am ersten Tag liefen wir ins Zentrum, besorgten uns die neue Währung, kauften nochmals „hawaiianas“ sowie Shirts und Shorts, denn die Langlebigkeit unserer Kleider gerät langsam ins Wanken.

Obwohl tags darauf die Wetteraussichten für die Iguazúwasserfälle nicht optimal waren, wagten wir es. Dass wir zuerst zu den Fällen und am Nachmittag in den Vogelpark gingen, stellte sich im Nachhinein als Fehlentscheidung heraus, denn das Wetter besserte zunehmends. Genossen haben wir es dennoch, den die fliessende Wassermenge imponierte uns sehr. Was wir weniger genossen, waren die Menschenmassen, hinzu kam die Ellbogenmentalität der Asiaten, excüsi, aber es war der blanke Horror. Auch scheint der Selfiewahn den absoluten Höhepunkt erreicht zu haben. Es fiel uns deshalb nicht allzu schwer, weiter in den Vogelpark zu ziehen.

Im Parc das Aves sahen wir wunderschöne und kunterbunte Vögel, grosse und kleine, die einen und anderen uns schon bekannt, jedoch oft nicht vor die Linse gekriegt. Und, die Massen haben den Weg hierher nicht gefunden, Gott sei Dank! Nach 3 Tagen endete auch unser Brasilienaufenthalt schon wieder.

Einmal schalten, waren wir in Argentinien und somit auf der gegenüberliegenden Seite der Iguazú Fälle, die, wie viele behaupten, schöner sei. Und das finden wir auch, zu 100%! Wow, was für ein Wasserschauspiel, was für eine Augenweide. Wir kamen kurz nach 9.00 Uhr und blieben bis nach 17.00 Uhr und gingen am nächsten Tag gleich nochmals hin. Zu schön, um am nächsten Tag nicht nochmals für den halben Preis dahin zu gehen. Um diese Vergünstigung zu kriegen, braucht man am Vortag beim Ausgang einfach das Ticket abstempeln zu lassen und den Pass vorzuzeigen. Das Gelände ist um ein Vielfaches grösser, als jenes auf der gegenüberliegenden brasilianischen Seite, wodurch es die Besucher auch viel besser verteilt. Man konnte alles ablaufen oder aber auch mit dem im Preis inbegriffenen kleinen Zug fahren. Natürlich waren wir auch hier nicht alleine, aber das Szenarium von Brasilien blieb uns hier erspart.

Mit der Einreise nach Argentinien kam auch der Sommer zurück, und nachdem wir in Wanda die eindrückliche Quartz und Amethyst Mine besuchten und Conny später auf dem Camping bei einer Zumba Stunde mitwirkte, badete sie dann definitiv im eigenen Schweiss.

Dann durften wir schon wieder auf Besuch. Und zwar bei den Eltern einer ehem. Arbeitskollegin von Conny, die vor 27 Jahren, nach fast 20 Jahren in der Schweiz, in ihr Heimatland zurückgekehrt sind. Damals im Büro so oft von Rita und Roberto und deren zuhause in der Provinz Misiones gehört, standen wir nun vor deren Türe. Die beiden hatten keine Ahnung, auf was sie sich mit uns beiden einliessen, wir kannten uns nicht, und trotzdem wurden wir empfangen, als gehörten wir dazu. Wir durften ihr selbsterschaffenes Haus mit Gincho (offene Wohnküche) und Pool geniessen, wurden u.a. mit feinster Schweizer Küche verwöhnt... ja, sogar mit richtigem Schweizer Tilsiter- und Appenzellerkäse aus der Schweiz, welcher vor wenigen Wochen resp. Tagen mit ihren Töchtern bei deren Besuchen eingeflogen wurde. Und das sie für fast jedes Kraut, welches auf ihrem Grundstück wächst, auch oft einen medizinischen Verwendungszweck wissen, überzeugte uns dann definitiv, für immer da zu bleiben.... Nein, natürlich nicht, schliesslich gibt so ein Haus mit viel Umschwung und Wald, viel zu tun, weshalb wir nach 5 Nächten weiterzogen. Als wäre ihre Gastfreundschaft nicht schon sehr grosszügig gewesen, gaben sie uns noch viele feine Sachen, wie Zopf, Confi und Salsa mit auf unsere Weiterreise.....

Konnten wir uns die vergangenen Tage noch im Pool abkühlen, durften wir nun wieder im Auto baden. Mit offenen Fenstern fuhren wir durch die leicht hügelige und sehr grüne Provinz Misiones hoch zu den Saltos del Moconà, welches sich für uns als der reiste Reinfall entpuppte. Die Saltos del Moconà, welche an der Grenze zu Brasilien liegen, gelten als die längsten Längswasserfälle der Welt. An der Kante einer rund 3km langen Schlucht verläuft das Flussbett des Rio Uruguay; das Wasser stürzt an manchen stellen bis zu 25 Meter in die Tiefe, führt der Fluss jedoch Hochwasser, wie bei uns, können die Saltos mitunter nur 1-2 Meter hoch sein.....Irgendwie haben wir es gespürt, winkten wir beim Hören des Preises für Touristen noch ab, bot man uns den Einheimischen Preis an. Wenn wundert‘s, uns jetzt nicht mehr...

Entlang des Rio Uruguay und somit entlang der brasilianischen Grenze fuhren wir runter bis Santo Tomé, von dort Richtung Westen zu den Sümpfen von Iberá. Nach vielen Kilometer auf Asphalt wechselte die Unterlage seit langem mal wieder auf ripio, zu deutsch: unbefestigte Strasse. Dieses Sumpfgebiet ist eine stellenweise unberührte Wildnis ohne Wege, ohne Pfade und kann zum Teil mit Booten erkundet werden. Es heisst, die Gegend sei sogar noch artenreicher als das Pantanal in Brasilien, was wir so aber nicht erlebt haben. Dennoch gefiel es uns sehr, den nebst der Bootstour konnten wir die nahe Umgebung zu Fuss erkunden und sahen viele Vögel, carpinchos (Wasserschweine), Kaimane, Rehe, Sumpfhirsche und einen Fuchs. Dem in der Gegend wohnenden Brüllaffen begegneten wir leider nicht.

Nun standen wir bereits wenige Tage vor der letzten Ausreise aus dem ins Herz geschlossene Land Argentinien. Ein Land, dem wir Respekt zollen, ein Land resp. Menschen, die mit regelmässigen Inflationen leben, leben müssen. Sie scheinen daran nicht zu verbittern, zumindest nicht gegen aussen. Wir erleben Sie meist herzlich, offen, lebensfroh und oft sehr grosszügig. In Mercedes besuchten wir die skurril wirkende Wallfahrtsstätte vom Volksheiligen Gaucho Gil. Sie ist eine Mischung aus Heiligenschrei, Verkaufsständen mit religiösen Andenken und Gilfiguren, einem Museum, Bühnen und Essensständen. Wir selber zündeten Kerzen für unsere liebsten zuhause und unsere Heimreise an. Mit dem Kerzenkauf bekamen wir 2 rote Bänder mit dazu, die unser Auto beschützen. Was möchte man mehr....

Die letzte resp. die letzten 2 Nächte in Argentinien verbrachten wir 10 km vor der Grenze zu Uruguay am gleichnamigen Rio Uruguay. Dieser Schlafplatz wiederspiegelte unseren ganzen Aufenthalt in Argentinien und war zu friedlich und schön, um nach einer Nacht, wie eigentlich geplant, schon wieder zu verlassen...wir verlängerten mal wieder spontan, haben genossen, gebadet, Kleider ausgewaschen und an diesem Reiseblog gearbeitet.

Es erübrigt sich wohl zu erwähnen, dass es uns nicht einfach fiel, Argentinien zu verlassen. Da aber unsere Freunde, Reni und Marcel, (www.swissnomads.com) mit denen uns auch ein unvergessliches Erlebnis in Australien verbindet, in Uruguay weilen und es dort zu einem Wiedersehen kommt, hatten wir am nächsten Tag einen erfreulichen Grund, die Grenze nach Uruguay definitiv zu passieren.

Weitere Bilder findet man in der Galerie unter Südamerika - Argentinien


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