Bolivien - Chile Norden - Roger Anderes Fotografie

Bolivien - Chile Norden

Reisedauer: 6. September - 9. Oktober 2018

Gefahrene Kilometer: 3’680 km

Schon fast routiniert überquerten wir wieder eine Grenze, diesmal von Corumbá (Brasilien) nach Puerto Suárez, Bolivien zum zweiten und somit wieder 30 Tagen Aufenthaltsbewilligung. Genüsslich cruisten wir dann entlang der Nummer 4, wo wir uns unter anderem in San José de Chiquitos für 2 Nächte niedergelassen haben, um uns mit gutem Internet wieder à jour zu bringen und den Pool zu geniessen, den es war richtig heiss. Dieses Wochenende, gerade ein Fest auf der Plaza, gingen wir mal wieder in den „Ausgang“ und liessen uns spontan auf eine Körperfettmessung ein. Oje, dass kann auch nur uns passieren...lustig war es aber allemal! Vorbei an Santa Cruz, gibt es ganz viele Wasserfälle, wovon wir den El Jardin de las Delicias besuchten. In Samaipata genossen wir mal wieder feinen Kaffee/Kuchen (Rogers Spruch: wenn schon extra jemand gebacken hat) und fanden da auch richtige schweres, feines Vollkornbrot - zuhause selbstverständlich, frohlocken wir hier immer wieder über diese erfolgreichen Käufe.

Ab Samaipata folgten wir der „Ruta del Che“, auf der man den Spuren des inzwischen legendären Ernesto „Che“ Guevara folgt. Sie führt zu den Orten, an denen der Revolutionär 1966 und 1967 versuchte, einen Volksaufstand zu organisieren, nach Vallegrande, wo es ein „Che“ Museum gibt und heute das Gedenkhaus „Fosa de Che Guevara“ wo 7 Gedenksteine, einer von ihm und 6 von seinen Compañeros, liegen. Weiter führt die Route nach La Higuera, wo er nach seiner Gefangenschaft vom bolivianischen Militär erschossen und mit einem Hubschrauber nach Vallegrande zur Aufbahrung geflogen wurde und auch Jahre lang begraben war.

In Sucre angekommen, empfing uns dort das jährlich stattfindende „Festival of the Virgin of Guadalupe“. Die ganze Stadt war auf der Strasse und die Musik halte ohrenbetäubend in den Gassen. Die Teilnehmenden waren in schöne Kostüme gekleidet und tanzten stundenlang zum gleichen Takt. So war v.a. Conny froh, als das Fest nach 2 Tagen ein Ende fand, wohnten wir doch sehr zentral und hatten deshalb die Musik, die uns an unsere Guggenmusik erinnerte, pausenlos im Ohr. Ansonsten frönten wir in Sucre ein bisschen den gastronomischen Köstlichkeiten, genossen die Plazas und Märkte. Auch der Stellplatz bei Felicidad und Alberto hat viel geboten und die beiden selber unglaublich hilfsbereit und nett.

Nach 4 Nächten wollten wir auf der kürzesten Verbindungsstrasse Richtung Oruro aufbrechen, was sich als ganz schlechte Tages- und Routenwahl entpuppte, wie sich nachmittags herausstellte. Wir fuhren damit bereits zum zweiten Mal in Bolivien rein ins Vergnügen: Strassenblockade! Wir verbrachten die Nacht auf 4300 müm, in der Hoffnung, die Blockade am nächsten Tag passieren zu können. Leider war dem nicht so und so fuhren wir zurück nach Sucre, da der schnelle Aufstieg von 2800 auf 4300 Conny nicht sonderlich gut bekam. In Sucre staunte man nicht schlecht, uns kurz nach Mittag wieder zu sehen. Am nächsten Morgen war die Blockade gemäss telefonischer Auskunft aufgehoben, die Polizei habe diese am Nachmittag des Vortages geräumt, sodass wir die F6 erneut wieder unter die Räder nahmen. Der Schock stand uns dann ins Gesicht geschrieben, als wir nach 3 Stunden Autofahrt die genau gleiche Situation, am genau gleichen Ort, wieder antrafen. Wir setzten uns dann kurz zu den Blockadejungs, die uns erklärten, es gebe Probleme mit dem Bürgermeister, die Sperre bleibe deshalb für unbestimmte Zeit bestehen. Als die Leute um uns herum immer mehr wurden, brachen wir auf, zurück nach Sucre zum dritten, denn nochmals auf 4300 zu schlafen, war für Conny keine Option. Die Besitzerin des Campings, welche für uns die Situation am Morgen telefonisch abgeklärt hat, war fassungslos und sorgte dafür, dass wir am nächsten Morgen zum einheimischen Preis Diesel beziehen konnten, den der ist für Einheimische subventioniert und Autofahrer mit fremdländischen Kennzeichen bezahlen für den Liter fast das zweieinhalbfache. In die schnellste und schönere Verbindungsstrasse nach Oruro haben wir das Vertrauen nun verloren und fuhren deshalb via Potosí, ca. 180 km mehr, nach Oruro, und kamen dort dann ohne weitere Vorkommnisse an, obwohl wir diesen Ort nur ansteuerten, um von dort in den Sajama NP zu gelangen.


Der Sajama NP zeigte sich uns jeweils nur am Morgen von der Schokoladenseite, gegen Mittag zogen sich die Wolken zu und am zweiten Tag schneite es sogar. Bei diesem Käsewetter gabs nur eins, aufgespartes Fondue vorziehen, anstatt auf dem Salar de Uyuni oder auf der Lagunenroute war dies genau jetzt fällig, so fiel auch gerade das Risiko der Beschlagnahmung bei der strengen Einreisekontrolle nach Chile weg. Was für ein Gaumenschmaus, nur beim Brot hätte es Verbesserungspotential gegeben und für Wein wars definitiv zu kalt. Danach gönnten wir uns bei den Geysirs ein warmes, langes Bad, so lange, bis sich sogar die Sonne wieder zeigte.

Weiter ging’s zu einem schon freudig erwarteten Juwel, dem Lauca NP, wofür wir allerdings zuerst nach Chile einreisen mussten. Ausreise Bolivien für Personen und Fahrzeug, Einreise Chile für Personen und Fahrzeug, neuerdings alles einfach unter einem Dach. Unkompliziert, sehr freundlich und hilfsbereit, erlebten wir die Chilenen bei unserem ersten Kontakt. Auch informierte man uns schmunzelnd, dass Chile nicht korrupt sei. Für unsere mitgeführten Lebensmittel interessierte sich niemand weiter, als wir ihnen eine Zwiebel rausrückten...

Wenige Kilometer später bogen wir bereits in den Lauca NP ab, parkten Redland in einer Sackgasse und marschierten mit Fotoapparat, Handy und warmen Kleider los. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht, über 4 Stunden verbrachten wir rund um die Lagune Cotacotani und bemerkten irgendwann, das in Chile wohl wieder die Uhren umgestellt werden müssen, denn es war bis fast 8 Uhr hell. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Stefan Forster für die Koordinaten! Nach einer klirrend kalten Nacht auf 4552 müm fuhren wir zum Cerro Milagro und waren erstaunt, wieder ganz alleine zu sein, den das Panorama eine Augenweide.

Am nächsten Morgen machte Roger zuerst Redland mit Fischöl für die spätere Überquerung des Salar de Uyuni fit, dann verliessen wir den wunderschönen Lauca N.P. und fuhren rein in die Reserva Nacional las Vicuñas, wo wir beim Salar de Surire unsere ersten Flamingos fotografieren konnten. Den Salar umrundend, gelangten wir zu den naturbelassen Thermalquellen Polloquere. Das Bad in den bis zu 50 Grad heissen Schlammtümpeln mit wunderschönem Panorama genossen wir sehr, befanden wir uns doch in luftigen 4277 müm. Auch hielt uns die getankte Wärme den ganzen Abend wollig warm, ein Traum! Am Morgen wars dann aber ar...kalt, neben dem Bett hatten wir sogar Eiskristalle, der Schlafsack aussen fast steif, fiel das Thermometer doch auf -15 Grad. Raus aus dem Bett, rein in das Dampf-/Schlammbecken, ohne dies wäre Conny wahrscheinlich jetzt noch im Schlafsack. Sogar unser Wasserhahn verweigerte uns fliessendes Wasser, die Petflaschen halfen Gott sei dank aus, Kaffee und Tee kochen zu können.

Noch wollten wir die Grenze nach Bolivien nicht queren, zumindest nicht offiziell, den von den Termas geht die Piste weiter südlich und führt 3 km lang auf bolivianischem Boden. Dafür muss jedoch kein Grenzübertritt gemacht werden. Der heisse Pool letzter Nacht hat uns so gut gefallen, dass wir nach Puchuldiza weiterfuhren, wo wir nochmal das Vergnügen hatten, alleine in einem hübsch hergerichteten Thermalbecken zu baden. Am nächsten Tag reisten wir zurück nach Bolivien, an der Grenze lief alles flott, bis auf die Tatsache, dass zwei Reisebusse schneller waren als wir, was uns aber lediglich Zeit kostete.

Bolivien begrüsste uns nach knapp 50 km selbst auf einer Nebenstrasse mit einer Blockade, sodass wir kurz davor waren, dem Land unsere Freundschaft zu kündigen. Roger stinksauer, suchte eine Möglichkeit, den Maschendrahtzaun zu öffnen und fand diese auch. Da weit und breit keine Menschenseele, war diese Hürde schnell gemeistert. Weitere Dreckhaufen folgten, waren aber mit 4WD einfach zu umfahren. Die Piste rund um den Salar Coipasa schlechter als angenommen, brauchten wir für die 201 km mal wieder viel länger als angenommen und schlugen unser Nachtlager wie so oft irgendwo im nirgendwo auf. Nach einer erneut kalten Nacht freuten wir uns auf den Salar de Uyuni, schon so viel davon gehört und gesehen, waren wir selber darauf gespannt wie Regenschirme.


Diese riesige Salzpfanne ist etwa 160 km lang und 135 km breit, die Salzkruste differiert zwischen 2 bis 7 Meter, was hoffentlich reicht, unseren ziemlich besten Freund zu tragen. Der Salar de Uyuni ist damit die grösste Salzfläche der Erde und wir schon bald mittendrin. Zur Feier der Auffahrt auf den See liess Roger AC DC aus den Boxen schallen. Wir fuhren knapp 40 km in die Nähe der Isla Incahuasi, welche einsam im Weiss des Salzmeers liegt, und liessen da das Ganze zuerst mal etwas auf uns wirken. Kurze Zeit später klappten wir da unser Dach für die Nacht auf. Wir verbrachten auf dem Salar 2 wunderbare, stille und sogar richtig warme Nächte, da wir auf 3700 am Abend die Standheizung laufen liessen.

Auf dem Weg nach Uyuni steuerten wir dann zuerst eine Autowäscherei an, den trotz des trockenen Sees hinterliess das Salz seine Spuren. Der Anblick des Ortes Uyuni fanden wir schrecklich, super dreckig und staubig, sodass sich bei uns die Frage aufdrängte, wohin das ganze Geld vom Tourismus wohl fliesst. Auch empfand Conny die Menschen überdurchschnittlich unfreundlich, wie nirgends zuvor. Wir nutzten den Ort hauptsächlich, um einzukaufen und uns leider um ein erneut aufgetretenes Leck im Dieseltank zu kümmern, hatten wir den doch in Australien schon mal schweissen lassen. So war Roger dann bei ,Emilios House, wieder gefordert, indem er den schweren Tank ab- und später wieder montierte. Die Schweissarbeit selber brauchte dann keine 5 Minuten.

Nach 3 Nächten ging es dann freudig los - Lagunenroute wir kommen! Obwohl gemäss Berichterstattung anderer Reisenden diese in einem desolaten Zustand sein soll, liessen wir uns von diesem Vorhaben nicht abbringen, handelte es sich dabei doch einerseits um Connys Südamerika-Highlight und andererseits hatten wir alle Zeit der Welt, diese Hochlandstrasse sachte zu fahren und voll zu geniessen. Via San Christobal, Villa Alota fuhren wir auf die Lagunenroute, vorbei an einigen kleinen Lagunen zum arbol de piedras, wo wir uns hinter eine grosse Steinformation stellten, damit wir in der abendlichen und nächtlichen Kälte nicht auch noch den ganzen Wind abkriegten, der sich um die Mittagszeit immer intensivierte. Voller Vorfreude fuhren wir am nächsten morgen die 16 km zum Eingang des Nationalparks und zugleich der Laguna Colorado, wo wir beim Aussichtspunkt Aguas Calientes die wahnsinnigen Farben der Lagune genossen. Da das Farbenspiel um die Mittagszeit am schönsten sein soll, kamen fast Punkt 12 Uhr etwa 7 Tourenwagen angebraust, nach einer Viertelstunde waren wir aber wieder ganz alleine. Einmal mehr waren wir uns bewusst, wie privilegiert wir mit eigenem Fahrzeug sind, denn wir verweilten mal wieder viel länger als gedacht. Via dem südlichen Aussichtspunkt suchten wir im nahegelegenen Canyon einen windgeschützten Unterschlupf für die nächste Nacht. Brrrrrrrr, kaum war das warme Duschwasser parat, fing es an zu schneien! Und da noch nie jemand verstunken, aber schon einige verfroren sind, durfte Roger diesmal das ganze Wasser selber verduschen. Hatte es am Vortag noch schöne Wolken, waren diese am Morgen verschwunden, was die super kalte Nacht erklärte. Redland öffneten wir die Kühlerhaube, damit auch er sich aufwärmen konnte, wollten wir später doch weiter Richtung Laguna Verde. Das Wasser und Kühlwasser war zum wiederholten male eingefroren. Via dem höchst gelegenen Zoll auf 5033 müm gingen wir zu den Geysirs, vorbei an den Thermen, wo sich Tourenfahrzeuge tummelten, war dann bald die Laguna Verde in Sicht. Im Auto fast heiss, riss es uns beim Aussteigen fast die Türe aus der Hand, der Wind war nicht nur stark, sondern auch unangenehm kalt. Wir reduzierten das Fotografieren auf ein Minimum. Das wir hier nicht wie geplant übernachten werden, war wortlos klar, auch ist es anscheinend gefährlich und verboten, da die chilenische Grenze nah und Drogenschmuggel auf dieser Strecke nicht selten. So verbrachten wir unsere letzte Nacht im Nationalpark in der Nähe des Refugios Laguna Blanca.

Nach 18 Tagen in Höhen zwischen 3600 und 4600 müm, wovon wir 2 Wochen ohne Standheizung waren, freuten wir uns aufs Tiefland und die französische Bäckerei in San Pedro de Atacama ;0). Die kalten Nächte, welche wir immer im Aufstelldach verbrachten, fingen an, an uns zu zerren, aber das in den letzten fast 3 Wochen gesehene und erlebte bleibt unvergessen, für uns jede Hühnerhaut und schlafarme Nacht wert. Die Lagunenroute zwar recht holperig und teils ziemlich sandig, würden wir deren Zustand dennoch nicht als desolat bezeichnen. Die Grenze zwischen Bolivien und Chile dann am Morgen zu passieren, war keine gute Idee, den wir standen mit allen Touren in einer langen Schlange. Während die Guide ihren Teilnehmern 15 BOL (CHF 2.00) als Ausreisegebühren abnahmen, Korruption lässt grüssen, hatten wir bei der bolivianischen Immigration mal wieder eine dieser Diskussionen, den selbstverständlich wollt man das Geld auch von uns kassieren. Wir erklärten ziemlich angesäuert, dass wir nicht bezahlen und dafür auch noch nie bezahlen mussten. Schneller als wir sehen konnten drückte man uns den Stempel in den Pass, es sollte uns wohl niemand zuhören. So verliessen wir Bolivien ein für diese Reise letztes Mal mit einem lachenden und einem weinenden Auge, schöne Natur, tolle Begegnungen und Erlebnisse gegen verhandelbare Dieselbeschaffung, nervige Strassenblockaden, überteuerte NP-Eintrittspreise für Ausländer und mühsame Korruption.

Weitere Bilder findet man in der Galerie, unter Südamerika - Bolivien/Chile


Salar de Uyuni - Lagunen Route

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