Bolivien - Pantanal (Brasilien) - Roger Anderes Fotografie

Bolivien - Pantanal (Brasilien)

Reisedauer: 10. August - 6. September 2018

Gefahrene Kilometer: 2 790 km

Am Freitagmorgen trafen wir vor der Zollabfertigung auf eine laaaange Autoschlange und da nichts ging, entschieden wir uns, das Auto stehen zu lassen und das ganze zu Fuss zu erledigen. Wiedererwarten schnell war dadurch die Ausreise erledigt, die Einreise nach Bolivien war ebenfalls flott und supernett. Unserem Vorhaben, am Mittag in La Paz zu sein, schien nichts im Wege zu stehen, hätte da nicht kurz nach Copacabana dieser Schutthaufen auf der Strasse gelegen. Bolivien bekannt für seine Strassenblockaden, lernten wir schnell eine solche kennen. Auf der Strassenkarte suchten wir Schleichwege und fanden die auch. Auf Rüttelpisten setzten wir unseren Weg fort, leider aber nicht ganz fertig studiert....eine gespannte Kette stoppte bald unser Vorhaben, da dieser wohl etwas inoffizielle Weg wieder die Landesgrenze trennte und wir wieder nach Peru einreisten, unfreiwillig. Das war leider nicht die letzte Schranke, grüne, offizielle und inoffizielle Grenzposten später waren wir dann doch wieder irgendwie in Bolivien. Obwohl man uns immer zum Umkehren zwingen wollten, blieben wir stur wie Esel und hielten an der Geschichte, nach La Paz zu müssen, eisern fest. An jedem Posten liessen sie uns früher oder später weiterfahren, prophezeiten aber gleichzeitig, aufgrund weiterer Blockaden eh nicht viel weiter zu kommen....

Ziemlich auf dem Hund kamen wir dann doch noch am selben Tag in La Paz an, allerdings war es bereits weit nach 17h00, als wir bei der unter den iOverlander bekannten Autowerkstatt von Ernesto Hug anklopften. Unglaublich erleichtert, dass dort auch am Freitag bis 18:00 gearbeitet wird, hat man uns noch empfangen. Da wir bei Ernesto den Service am Auto machen konnten, durften wir auch gleich in seiner piekfeinen und geordneten Werkstatt im Auto schlafen, die ganze Aufregung hat sich somit für uns gelohnt!

Die geplante Autoreinigung auf Sonntag verschoben, die Stadt am Vorabend im Feierabendverkehr total chaotisch erlebt, schwebten wir am Samstag mit den Seilbahnen über diese. Seit 2014 gibt es hier das moderne Seilbahnsystem. Einerseits entlastet diese die chronisch verstopften Strassen, andererseits sind so die knapp 1000 Höhenmeter bequem zu bewältigen, liegt der tiefste Punkt der Stadt doch auf 3100 m, der höchste auf knapp 4100 m. Auch ist es eine Touristenattraktion, damit über die Steilhänge und Dächer der Stadt zu gondeln. Es handelt sich sogar um das grösste urbane Seilbahnnetz der Welt, nicht zur Freude jedes Bolivianers, wünschte sich dieser eine solche Investition doch lieber im bedenklichen Gesundheitswesen. Schön fanden wir La Paz zwar trotzdem nicht, aber sich von Plaza zu Plaza mit der teleférico zu hangeln, machte uns dennoch Spass. Am Sonntag nutzten wir dann die uns gebotene Gelegenheit und polierten Redland innen mit einem richtigen Staubsauger und aussen auf Hochglanz, sodass wir damit wahrscheinlich wieder ohne Probleme in Australien hätten einreisen können. Am Montag widmete sich dann der Mech Jaime zusammen mit Roger unserem Auto. Bald zogen wir dann in den 15 km entfernten und schönen Camping Colibri um.

Nach einer Woche und super viel erledigtem kehrten wir La Paz definitiv den Rücken und machten uns Richtung brasilianische Grenze nach San Matías auf. Die Route berührt einige Missionsstationen der Jesuiten mit schön restaurierten Kirchen. In Buena Vista, der Queseria Suiza, welche einem Schweizer Paar aus dem Luzernischen Hinterland gehört, fanden wir Chääääschüechli, man glaubt’s nicht! Soooo fein! Auch hüpfte ein Tilsiter und eine Fonduemischung mit ins Körbli, sodass wir uns zum Verzehr schon fast Schnee wünschten. Der Grenzübertritt verlief ohne Probleme. Neu war allerdings mal wieder die Sprache, es wird in Brasilien ja portugiesisch gesprochen und das die Einreise nach Brasilien erst in Cáceres, ca. 80 km von der bolivianischen Grenze entfernt, erfolgte. IOverlander sei dank, die beiden Gebäude in der Stadt überhaupt gefunden zu haben.

Wie auf Knopfdruck waren wir zum ersten Mal in Südamerika in einem verkehrsfreundlichen und unglaublich sauberen Land. Und Roger, bereits gewohnt, ziemlich rüpelhaft und rücksichtslos zu fahren, durfte richtig entspannen. Nie liess man uns als Fussgänger Vortritt, hier schon, was uns sehr irritierte. Die Brasilianer-/innen sind anders, irgendwie, und wir fühlten uns auf Anhieb sehr wohl!

Von Cáceres via Poconé ging’s dann rein ins Pantanal. Die Transpantaneira ist eine aufgeschüttete Strasse, die 145 km in den Pantanal nach Porto Jofre führt. Sie beinhaltet zudem -zig grössere und kleinere Holzbrücken, die oftmals in einem abenteuerlichen Zustand sind. Das Pantanal ist kein Sumpf, sondern das grösste Überschwemmungsgebiet der Erde und berühmt für seinen Tierreichtum. Die Fläche beträgt etwa 230 000 km2, liegt durchschnittlich knappe 95 m über dem Meeresspiegel und ist seit 2000 zum Welterbe durch die UNESCO erklärt worden.

Wir fuhren nicht weit, durften wir schon die ersten Kaimane (Alligatorenart), Jabiru (grösster Storch) und Äffchen bestaunen. Die letzteren liessen uns aber kaum eine Chance, den Fotoapparat scharf zu stellen. Auch kreuzte sich unser Weg immer wieder mit den putzigen Capybaras (Wasserschweinen) und -zig kleineren und grösseren, bunteren und weniger bunten Vögel. In diesem Naturgebiet gibt es mit geschätzten 665 Arten von Vögel mehr als im gesamten Europa. Wir waren positiv überrascht, im Nordpantanal so viel gesehen zu haben! In Porto Jofre angekommen, endete dann auch die Strasse. Wir entschieden, uns dort im Jaguar Camp einzuquartieren und eine Bootstour zu unternehmen, in der Hoffnung, einen Jaguar in freier Wildbahn zu sehen, der sich anscheinend vorwiegend in der Nähe der Flussufer aufhält. Gesagt, getan und wir waren überglücklich, tatsächlich welche gesehen zu haben und staunten mächtig über deren Grösse. Im Pantanal seien die Jaguare grösser als jene im Amazonasgebiet, da es hier ausreichend Nahrung gebe.

Unser Vorhaben dann, mit einem Ponton (Art Fähre) 371 km auf dem Rio Cuiabá und Rio Paraguay nach Corumbá und somit ins Südpantanal zu schippern, haben wir schon fast aufgegeben, wäre da nicht gerade Iris und Sven aus Deutschland mit einem solchen angekommen und uns mächtig vorgeschwärmt. Mit Unterstützung des Eigentümers vom Jaguar Camp wärmten wir unsere Vorabklärungen nochmals auf und fuhren somit am Sonntagabend mit Redland auf die Laura Vicuná. Die geplante Abfahrtszeit wurde für uns sogar um 3h verschoben, da wir an diesem Tag beim Jaguar guggen waren - happy day! So wurden wir die nächsten 2 Nächte sanft in den Schlaf gewiegelt. Am ersten Morgen wurde unsere Besatzung mit 300 Rinder verstärkt, welche uns bis Corumbá begleiteten, dort gemästet und Wochen später geschlachtet werden. Unsere Begeisterung hielt sich über diese Tatsache sehr in Grenzen. Da es sich bei diesen Pontons aber um keine Autofähren handelt, sondern eigentlich als reine Fracht- und Transportmittel für die abgelegenen Fazenda's (Landgüter mit Viehwirtschaft) dienen, waren wir die Zugelassenen. Trotzdem wurden wir 3 mal täglich per Beiboot mit essen und trinken beliefert, mussten wir hingegen auf die Toilette, durften wir per Handzeichen das kleine Boot bestellen, um ans andere Ende des Pontons, zur Toilette, zu fahren, damit beim Vorbeilaufen die Tiere nicht unnötig gestresst würden. Nach 2 Nächten und 2 Tagen war das Abenteuer leider schon wieder zu Ende. Obwohl wir nicht allzu viele Tiere sahen, genossen wir die Ruhe, der stetige Ausblick ins Grüne, die schönen Morgen-und Abendstimmungen und das sanfte Fortbewegen auf der glatten Wasserstrasse sehr.

Je weiter südlich wir kamen, desto mehr stiegen die Temperaturen an und so verbrachten wir in Corumbá 2 Hitzetage, bevor wir auf der Estrada Parque das südliche Pantanal entdecken wollten. Dem Wetter entsprechend mit brasilianischen Hawaiianas (Flipflops) ausgerüstet, machten wir uns langsam ins 350 km entfernte Bonito auf. Hatten wir dort bei unserer Ankunft noch heisse 37 Grad, fiel das Thermometer am nächsten Tag auf 17 Grad, weshalb wir uns nicht motivieren konnten, einen diesen glasklaren Flüsse oder eine Höhle zu besuchen und als wir letzteres am Tag unserer Weiterreise doch noch machen wollten, war da gerade eine geschlossene Gruppe unterwegs und uns wurde deshalb kein Eintritt gewährt.

Nach hin- und her Überlegungen entschieden wir, nochmals via dem südlichen Pantanal nach Corumbá zurück zu fahren, in der Hoffnung, mehr Tiere als bei der Hinfahrt zu sehen. Auch hatten wir fürs Pantanal einen langen Abstecher nach Brasilien gemacht, was weiter ein Grund war, dieses noch ein bisschen länger zu geniessen. Und so wurde die Autofahrt diesmal zum Ameisenbärabenteuer. Zwei grosse und ein kleiner sahen wir auf der gesamten Strecke und einer meinte es richtig gut mit uns, kam er bis auf knapp 2 Meter an uns heran, was uns nicht mehr so geheuer war.

Zurück in Corumbá nächtigten wir wieder beim sehr sympathischen und herzlichen Eigentümer Diego vom Road Riders Hostal. Hier genossen wir dann auch sehr gesellige, musikalische und etwas bunte Stunden mit Brigitta und Paul, die wir am Vorabend auf der Strasse kennengelernt haben. Später gesellte sich auf René, unser Campnachbar in Bonito, noch dazu. Wir hätten uns den Abschied unseres zweiwöchigen Brasilien- resp. Pantanalaufenthaltes nicht perfekter vorstellen können und waren total glücklich, uns für diesen Abstecher entschieden zu haben, zumal auch unsere Begegnungen mit anderen Reisenden, aber auch mit Einheimischen, unvergessen bleiben.

Weitere Bilder findet man in der Galerie, unter Südamerika - Brasilien


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