Chile-Argentinien Patagonien-Feuerland - Roger Anderes Fotografie

Chile-Argentinien Patagonien-Feuerland

Reisedauer: 10. Januar 2019 - 7.Februar 2019

Gefahrene Kilometer: 3’916 km

Wie uns der Wettergott versprochen hatte, lachte am nächsten Morgen die Sonne wieder. Via dem schönen Nationalpark Patagonia fuhren wir über den Paso Roballo und genossen die geniale Aussicht und Bergwelt meist nur vom Auto aus. Der Grenzübertritt nach Argentinien war gewohnt nett und einfach.

In einem kleinen Ort namens Lago Posados kauften wir später in einer Metzgerei noch ein paar Kleinigkeiten ein. Während uns der Metzger bediente, liess er uns wissen, dass er blind sei. Unsere überraschten Gesichter konnte er somit nicht sehen, aber auf die Frage, weshalb er denn so schnittsicher sei und sich auch so selbstsicher bewege, antwortete er, dass dies Routine sei, die er sich noch als Sehender aneigneten konnte. Einzig beim Ablesen des Preises vom Taschenrechner brauchte er unsere Hilfe. Er schien an seiner Lebensfreude nichts eingebüsst zu haben, mit seinem Schicksal nicht zu hadern - wir zogen wortlos den Hut, es gibt Menschen auf dieser Welt, die Rogers Überzeugung immer wieder bestätigen: geht nicht, gibts nicht.

Unsere Wanderschuhe schnürten wir uns im Perito Moreno Nationalpark wieder an. An der Kreuzung zu diesem trennte sich unser Weg mit Graziella und Marcel wieder, zogen sie direkt weiter Richtung Süden. Und so verabschiedeten wir uns nach erneut schönen Tagen mit ihnen bis zum nächsten Wiedersehen. Der 127 000 ha grosse Perito Moreno Nationalpark ist der ursprünglichste und am wenigsten besuchte Nationalpark Argentiniens. Kein Wunder, er liegt weitab von jeder öV Verbindung und fern von jeder Siedlung. Allein dies reizte uns schon, befanden wir uns doch mitten in der Hochsaison. Und tatsächlich trafen wir auf unseren zwei Wanderungen, eine hoch zum Cerro Leon und eine Rundwanderung auf der Halbinsel Belgrano, einzig auf zwei andere Wandervögel.

Via Tres Lagos, wo wir auf einem Camping pausierten und Edith und Röbi aus dem Kanton Aargau kennenlernten, zogen wir weiter Richtung El Chalten. Die Sonne noch immer mit uns, wanderten wir im Los Glaciers Nationalpark zuerst zur Laguna Torre, welche zu Füssen des spektakulären Cerro Torre mit seinem Felsnadeln liegt, am nächsten Morgen dann bereits um 04.00 mit Stirnlampe für den Sonnenaufgang zur Laguna Capri, dann weiter hoch zur Laguna de los Tres, die wir bereits vor 09.00 erreichten, dort nur eine handvoll Gleichgesinnte antrafen und mit Heisshunger unseren z‘Mittag verschlingten. Gegen Mittag machten wir uns auf den Rückweg und haben unsere frühe Tagwache nicht bereut, in Scharren kamen sie uns auf einmal entgegen und der sendero „Laguna de los Tres“ verwandelte sich zum „hola sendero“, in der Schweiz „Grüezi Weg“ gennant. Zurück im Ort trafen wir wieder auf Edith und Röbi und liessen uns später zusammen mal wieder von einer Restaurantküche verwöhnen.

Unser Vorhaben, am nächsten Tag hier nochmals zu wandern, warfen wir am nächsten Morgen um 08.00 Hals über Kopf über den Haufen, den es gab noch diesen einen sonnigen Tag, dann waren die Prognosen für den ca. 300 km entfernten Perito Moreno Gletscher nicht mehr rosig. Wir gaben unseren Beinen eine Verschnaufpause und brausten zum berühmten Gletscher. Kaum waren wir aber aus El Chalten raus, war eine Vollbremse und ein lauter Jubelschrei nötig, Redland zeigte 333 333 km auf seinem Tacho an, was für eine Schnapszahl! Unsere Reise dauerte bei diesem Kilometerstand genau 61 431 pannen-, unfall- und plattenfreie Kilometer - Halleluja und ein dankbares Innehalten oben drauf.

Die Eiswand des Perito Moreno Gletscher ragte dann 3 Stunden später an der höchsten Stelle über 70 Meter und ca. 5 km breit aus dem Wasser. Es ist nicht der grösste, aber wohl der spektakulärste patagonische Gletscher, was nicht zuletzt seiner einzigartigen Lage geschuldet ist: er schiebt sich bis auf wenige hundert Meter an die Halbinsel Magallanes heran, die mit einer Strasse erschlossen ist und von der aus man den Gletscher aus allen Blickwinkel bewundern kann. Immer wieder sind unter ohrenbetäubendem Dröhnen riesige Stücke abgebrochen, diese Akustik passte gut zum zunehmend bewölkten Wetter, das die Konturen und blauen Farbtöne des Gletschers erst richtig zum Vorschein brachte. Ein faszinierendes Eisfeld und die Grösse kaum greifbar. Der Perito Moreno ist auch insofern eine Besonderheit, als er zu den wenigen wachsenden Gletschern weltweit gehört. Obwohl dieser Ort eines der Touristenmagnete überhaupt ist, nahmen wir keine Menschenmasse wahr. Auch den Eintrittspreis von aktuell CHF 18.00/Person fanden wir in Ordnung, führen die angelegten Stege und Treppen die Besucher bequem und weitläufig am Gletscher entlang.

In El Calafate genossen wir am nächsten Tag einen richtig warmen Sommertag, welcher uns in Flip Flops gemütlich durch den touristischen und trotzdem entspannt wirkenden Ort schlendern liess. Während wir den nächsten Tag, der grüsig, kalt und regnerisch war, nutzten, vernachlässigtes aufzuarbeiten, zogen Edith und Röbi weiter, denn bald endet ihre erste Etappe in Südamerika. Bei uns musste dann ein Plan B her, den Plan A fiel buchstäblich ins Wasser. Gerne wären wir weiter zum Torres del Paine Nationalpark gefahren. Aber da wollten wir ausgiebig wandern und das Wetter sah für die nächsten 5-6 Tage definitiv nicht nach wandern aus, obwohl, es sei nicht einfach, verbindliche Wetterprognose für diese Region zu machen. Da das „Windy App“ uns bis anhin ein guter Ratgeber war, setzten wir weiter auf dieses und wechselten in El Calafate an die Küste Argentiniens und fuhren rüber nach Rio Gallegos. Da Patagonien je südlicher je schlanker wird, war dies mit wenig Fahraufwand verbunden und wir hofften natürlich, dass Wetter beim Torres del Paine gesinnt sich bei unserer „Rückreise“ besser, den auslassen möchten wir ihn lieber nicht.

An der Ostküste war das Wetter freundlich, der Wind ZU freundlich für unseren Geschmack. Fanden wir, dass der Patagonische Wind von den bisherigen Erzählern etwas überbewertet wurde, konnten wir uns jetzt langsam etwas mühsames darunter vorstellen ;0). Trotzdem schafften wir es noch immer, unseren Schlafplatz an einem geschützten, zwar nicht immer super attraktiven, Ort aufzuschlagen. Durch unsere Routenänderung war unser Südziel Ushuaia auf einmal in buchstäblicher Windeseile zum Greifen nah, obwohl wir hierfür noch kurz nach Chile ein- und am nächsten Tag wieder zurück nach Argentinien ausreisen mussten. Ja, anders ist die südlichste Stadt der Welt mit dem Auto nicht erreichbar. Um unsere Ankunft dort noch ein bisschen heraus zu zögern, standen in Rio Grande noch Frisör- und Wäschereibesuch sowie Ölwechsel an, denn wir wollten parat sein, wenn wir am Fin del Mundo (Ende der Welt) ankommen ...

Und dann waren wir da, der Himmel kaum bewölkt, heimgesucht von riesigen Kreuzfahrtschiffen, genossen wir einen ersten freundlichen Nachmittag und schossen gleich die obligaten „fin del mundo“ Fotos. Ein Bedürfnis nach Korkenknallen machte sich jedoch in uns nicht breit, es war uns eher nach einer warmen Tasse Tee. Während wir da so standen, rollten uns unsere zwei heimlichen Helden, Frederica und Yves aus Frankreich, entgegen. Die beiden radelten von Alaska nach Ushuaia, gerade hatten sie 26 000 km auf ihrem Tacho. Die Freude über das Wiedersehen war gross und ziemlich überraschend, waren sie somit gleich schnell wie wir! Im Huascaran Nationalpark in Peru zum allerletzten Mal gesehen, verabredeten wir uns diesmal für den nächsten Tag zum Kaffee. Das Treffen mit den zwei genossen wir sehr und waren zudem mächtig stolz auf sie, können wir uns doch kaum vorstellen, was es wirklich heisst, von Alaska nach Ushuaia zu radeln.

Am Nachmittag zeigte sich das Wetter garstig, weshalb wir durch die Shops streiften. Dies entpuppte sich als geniale Idee, denn Roger fand doch tatsächlich noch super passende Wanderschuhe - Torres del Paine, wir kommen....! Bald, denn zuerst wollen wir noch für 2-3 Nächte zur Estancia Harberton rausfahren, welche direkt am Beagle Kanal liegt und von schöner Natur und genialen Schlafplätzen am Ende der Welt umgeben ist. Nach 4 Nächten verliessen wir die südlichste Ecke bereits wieder und verbrachten insgesamt nur gerade knapp 2 Wochen auf Feuerland. Lange waren wir uns nicht mal sicher, ob wir den Weg bis ganz nach unten wirklich gehen sollen, denn entweder waren die bisher Getroffenen hell begeistert, oder fanden Ushuaia eine reine Zeitverschwendung. Wir haben es nicht bereut, uns hat bereits die Anfahrt gefallen und genossen auch die immer längeren Tage auf dem Weg gen Süden. Das Auto sicher geparkt zu wissen, um flanieren und käffele zu können, haben wir ebenfalls sehr genossen. Und last but not least handelt es sich beim Ort Ushuaia auch um den Gründungsort von ‚La Yunta‘ (www.layunta.ch) wo auch wir seit Mai 2015 als Mitglieder dabei sein dürfen und viele schöne Wochenenden mit unseren „Reise“- Freunden erleben dürfen.

Unser nächstes Ziel hiess danach Torres del Paine Nationalpark, den wir beim runter fahren ja infolge schlechtem Wetter gar nicht erst angefahren haben. Da für das kommende Wochenende traumhaftes Sommerwetter angesagt war, legten wir die knapp 840 Kilometer schneller als geplant zurück, aber uns war dort gutes Wanderwetter wichtig. In 5 Tagen fuhren wir via Tolhuin, dem Lago Yehuin, wo wir am gleichnamigen See einen traumhaften Schlafplatz fanden, via Cameron, von Porvenir nach Punto Arenas mit der Fähre und weiter nach Puerto Natales. Eine Nacht wenige Kilometer vor dem Südeingang, am Rio Serrano geschlafen, fuhren wir am nächsten Morgen rein ins Wanderparadies. Die grösste Herausforderung auf diesem Weg stellte der Wind dar, sodass wir zum ersten Mal auf unser gesamten Reise mit geschlossenen Dach geschlafen haben, was zwar nicht komfortabel, aber durchaus möglich war.

Im Nationalpark war dann weder schlechtes Wetter noch Wind ein Thema und wir durften bei traumhaften, zum Wandern fast zu warme, Temperaturen aus dem Vollen schöpfen. So genossen wir u.a. auch die drei Torres bei wolkenlosem Himmel. Das wir hierfür jedoch morgens um 2.00 Uhr mit der Stirnlampe losmarschiert sind, um beim Sonnenaufgang kurz vor 6.00 Uhr da oben zu sein, hat sich nicht unbedingt gelohnt, es war zwar ein schöner, aber fototechnisch unspektakulärer Tagesanbruch. Super war hingegen, dass wir fast wieder zurück waren, als viele erst zu dieser Wanderung aufgebrochen sind. Nebst den vielen schönen Wanderungen bei Temperaturen von bis zu 29 Grad haben wir während den 5 Tagen, die wir im Park verbrachten, Gürteltiere und Füchse, unzählige Guanacos und obendrauf 5 Pumas gesehen. Besser gehts nicht, fanden wir und haben den Nationalpark, wo wir auch Graziella und Marcel wieder getroffen haben, überglücklich und zu viert Richtung El Calafate verlassen. Redland brauchte Pflege, der Kühlschrank mussten gefüllt und gewaschene Wäsche getrocknet werden, bevor es wieder rüber an die Ostküste ging.

Weitere Bilder findet man in der Galerie unter Südamerika - Chile und Argentinien


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