Chile Carretera Austral - Roger Anderes Fotografie

Chile Carretera Austral

Reisedauer: 21. Dezember 2018 - 9. Januar 2019

Gefahrene Kilometer: 1 372 km

Jetzt war es endlich soweit, wir sind auf der Carretera Austral und somit in Patagonien angelangt! Schon sooo unglaublich viel von beidem gehört und selber darüber gesprochen, war es jetzt so weit. Die 1200 km lange ‚Südstrasse’ erst 1970 durch die Wildnis geschlagen, gilt als Chiles schönste Route in die Einsamkeit und ein Magnet für Abenteurer, wir waren gespannt!

Die Weihnachtstage standen unmittelbar vor der Türe und wären wir nicht immer wieder darauf angesprochen worden, wo wir den diese verbringen, hätten wir sie wohl verpasst, hatten wir doch weder Weihnachtsstress noch spielten hier die Supermärkte resp. deren Kunden verrückt. Wir verzichteten auch darauf, uns gegenseitig zu beschenkten, womit denn? Uns fehlt‘s an nichts, wir sind gesund und dürfen uns des Lebens erfreuen. Okay, vielleicht mit einer Cremeschnitte vom Café Gschwend oder einem Mandelgipfel vom Café Kuhn? Da hätte Conny schlecht widerstehen können - hahahaaaa.

Kurz vor dem Pumalin N.P., von dem wir ebenfalls schon ganz viel und ausschliesslich positives gehört hatten, entschieden wir, die Festtage in diesem Nationalpark mit Wandern und geniessen zu verbringen. Gesagt, getan, die Fähre brachte uns am 22. von Hornopirén nach Caleta Gonzalo, wo auch die kurz vorher kennengelernten Martina und Herman aus Deutschland und Graziella und Marcel aus der Schweiz rein in den Pumalin schipperten. Mit Graziella und Marcel verbrachten wir dann auch gleich die Festtage, wanderten zusammen tagsüber und liessen es uns am Abend bei feinem Essen, einem Glas Wein und unserer gegenseitigen Gesellschaft einfach gut gehen. Bis nach 22 Uhr genossen wir Tageslicht, danach machten wir es uns am Feuer gemütlich. Es hat einfach rundum gepasst und der Pumalin gehört zu den schönsten Naturparks in ganz Chile und gilt in Sachen Infrastruktur und Umweltschutz sowie als ökologisch-soziales Projekt als Vorbild. Da die Hochsaison erst nach Neujahr beginnt, durften wir den Park nicht nur fast menschenleer, sondern auch gratis, geniessen. Danke euch zwei für die tollen, gemeinsamen Tage, danke Herr Tompkins für die Erschaffung dieses Parks als Modell nachhaltigen Umweltschutzes, besser gehts nicht.

Für uns ging es dann weiter nach Futaleufú, den dort trafen wir Patrizia und Manuel, der Bruder von Rogers Schwager und seine Freundin. Die beiden reisen vom Süden nach Norden und wir freuten uns riesig, dass es tatsächlich mit einem Treffen klappte, den nur weil beide in Südamerika unterwegs sind, heisst das noch lange nicht, dass man sich kreuzt resp. nah beieinander liegt. Viel zu schnell waren die 2 Tage wieder vorbei und wir verabschiedeten uns in die entgegengesetzte Richtung - gute Weiterreise, euch zwei!

Dann stand der nächste „Termin“ Silvester/Neujahr auch schon vor der Tür! Also Ferien sehen doch irgendwie anders aus ;0) aber wir hatten eh keinen Plan, wo wir den Jahreswechsel verbringen. Wahrscheinlich irgendwo schlafend, wie letztes Jahr, dachten wir. Dieses Jahr verpennten wir ihn widererwarten nicht, denn Melanie und Sebastian, mit den beiden verbrachten wir vor 2 Monaten einige Tage in Argentinien/Chile, kamen mit Freunden aus Deutschland vom Süden und waren Richtung Coyhaique unterwegs, wir ebenfalls, aber vom Norden, weshalb wir uns am 30. für den 31. verabredeten, zusammen ins neue Jahr zu rutschen. Auf dem Camping Las Confluencias, ca. 35 km südlich von Coyhaique, fanden wir die perfekte Infrastruktur, der Patagonischen Kälte zu trotzen und zusammen zu feiern. Am 1. Januar legten wir dann wohlweislich einen Ruhetag ein und wurden von den Besitzern spontan zum asado (BBQ) eingeladen. Obwohl uns weder nach Fleisch noch Wein war, nahmen wir diese grosszügige Einladung an, nippten aber nur an beidem. Am 2. trennten sich unsere Wege dann auch wieder und wir setzten unsere Rise auf der Carretera Austral weiter fort.

Bereits nach ca. 60 km erreichten wir den Cerro Castillo Nationalpark, wo das Wetter schöner als erwartet war. Hopp dä Bäsä montierten wir sofort unsere Wanderschuhe, schnauften die etwas über 1000 Höhenmeter den Berg hinauf zum Mirador Laguna Cerro Castillo und liessen uns vom Panorama da oben die Haare steil nach hinten strählen. Wow wow wow, wieder so ein Glücksmoment, den man am liebsten für die Ewigkeit einfrieren möchte. Unsere Welt gerade rosarot und wir unglaublich glücklich, hier und jetzt genau da sein zu dürfen. Auch verbesserte sich unsere Fitness mit jeder Wanderung, worüber wir uns ebenfalls freuen.

Immer der Sonne nach fuhren wir dann auf anraten von Bea & Rolf, zwei nach Argentinien ausgewanderten Schweizer, nach Puerto Sanchez zum blaugrünen Lago General Carrera, der mit 2240 km2 der grösste See Chiles ist. Hier trafen wir dann auch tatsächlich auf die beiden beim Lachs fischen und genossen Stunden später zusammen gegrillten und geräucherten Lachs zum Z‘nacht, superlecker war‘s! Am nächsten Morgen besuchten wir mit Luis die wunderschönen ‚Capillas de Mármol‘ (Marmorkapellen), die hier mit dem Boot in weniger als 10 Minuten zu erreichen sind. Die meisten Touristen machen diese Bootstour von Puerto Tranquilo aus, weshalb wir zwei seine einzigen Gäste waren und eine Privattour genossen. Gegen Abend entstaubten wir unseren dutch oven und backten mal wieder Brot, es schien ewig her, seit dem letzten mal....

Zurück auf der Carretera Austral fuhren wir weiter entlang des Lago General Carrera Richtung Süden, wo wir in Puerto Tranquilo von Marcel an der Tankstelle überrascht wurden. Bei einer heissen Schokolade mit ihm und Graziella, lernten wir auch Hans, ehemaliger Spieler und Vorstandsmitglied vom FC St. Gallen, und seine Partnerin kennen und so kam Roger endlich mal wieder in den Genuss, mit jmd. über seinen heissgeliebten FC St. Gallen zu fachsimpeln. Ja, die Welt scheint ein kleines Dorf! Für die Nacht verzogen wir uns wieder und verbrachten diese erneut am Ufer des Lago General Carrera.

Weiter ging es am nächsten Tag entlang des Rio Baker, welcher immer wieder grün schäumend durch den Wald leuchtete, bis er schliesslich mit dem Rio Nef zusammenfliesst, dessen Farbe einer braune Brühe glich. Während wir mit fotografieren beschäftige waren, holte uns Graziella und Marcel wieder ein, mit demselben Tageszeit setzten wir unser Fahrt zur Laguna Esmeralda gemeinsam fort. Je später der Tag, je ungemütlicher wurde das Wetter, weshalb wir am nächsten Tag statt über den Paso Roballo und somit nach Argentinien, nach Tortel fuhren, den die Aussicht über den Pass wäre gleich null gewesen. Natürlich wäre auch Tortel bei Sonnenschein hübscher gewesen, aber wir fanden es das kleinere Übel, das kühle und nasse Wetter dort abzuhocken. In diesem ärmlichen, aber überaus malerischen mitten im Urwald an einem Meeresarm gelegenen Dorf gibt es keine Strassen - hölzerne Stege ersetzen die Wege. Einst eine weitgehende Holzfällersiedlung hat sich der Charme von Tortel inzwischen herumgesprochen und lockt im Sommer viele Touristen an, nicht aber an unserem Regentag, den immer wieder schiffte es wie aus Eimern. Eine Weiterfahrt nach Villa O’Higgins und somit ans Ende der Carretera Austral schenkten wir uns somit, auch hätten wir die ganzen 300 km wieder zurück nach Cochrane fahren müssen. Für den übernächsten Tag war wieder Sonne angesagt, also perfekt, dann via den Paso Roballo nach Argentinien einzureisen. Somit war unser Abenteuer Carretera Austral auch schon wieder zu Ende. Uns hat’s gefallen, unter Route in die Einsamkeit stellten wir uns jedoch etwas anderes vor, dafür fanden wir deren Zustand besser, als es ihr Ruf besagte.

Weitere Bilder findet man in der Galerie unter Südamerika - Chile


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