Ecuador 1 - Roger Anderes Fotografie

Ecuador 1

Reisedauer: 1. Mai - . 24. Juni 2018

gefahrene Kilometer: 2 501km

Um 05:15 erreichten wir bei strömendem Regen die Grenze zu Ecuador. Ja, auch wir fanden es zum Weinen, das schöne Kolumbien verlassen zu müssen. Kaum aus dem Auto gestiegen, wurde uns Gringos kommuniziert, hinten an der Schlange anstehen zu müssen - klar, davon gingen wir aus. Gleichzeitig aber bot man uns einen schnelleren Weg an, natürlich gegen Bezahlung. Davon sahen wir mal ab und stellten uns hinter all jene, die schon da waren, den zu unserem erstaunen waren wir um diese Zeit nicht die Ersten. Schnell realisierten wir, dass es ruckizucki geht und wir wahrscheinlich schon ganz bald am Ziel sind, mindestens auf der Kolumbianischen Seite. Was uns während des Wartens wohl am Meisten verblüffte, war die Tatsache, dass an der Grenze eine fröhliche und sehr friedliche Stimmung herrschte, kein Drängeln, keine Verzweiflung. Obwohl viele der anwesenden Venezuelaner in ungewisser Zukunft sind und wahrscheinlich nicht wissen, wo sie morgen um diese Zeit sind, wurde viel gelacht und uns ging dabei mal wieder so einiges durch den Kopf. Auch auf der Ecuadorianischen Seite waren wir schnell durch und so war unser Arbeitstag schon um 07:15 zu Ende.

Einen kurzen Besuch auf dem Friedhof in Tulcan, der als besonders schön gilt und auch ist, nahmen wir die Fahrt nach Ibarra zur Finca Sommerwind unter die Räder. Kurz vor unserer Ankunft im „Camping aleman“ füllten wir unseren Dieseltank noch, wir erwähnen das eigentlich nur deshalb, weil wir für die 58 Liter Diesel gerade mal 15 USD bezahlten. Da schlägt natürlich jedes Overlander Herz höher. Schon viel von der Finca Sommerwind gehört, wurden wir nicht enttäuscht und genossen einige Tage sehr herzliche, hilfsbereite und kulinarische Gastfreundschaft bei den deutschen Auswanderer Hans und Patricia.

Nach Ibarra wollten wir den bekannten Markt in Otavalo besuchen, und da dieser am Samstag besonders gross ist und noch einen Tiermarkt hat, verliessen wir die Finca Sommerwind am Freitag. Der Markt war toll, üppig, bunt und die Einheimischen in hübsche Trachten gehüllt, was sie übrigens immer und nicht extra für den Markt tun. Den Tiermarkt genossen wir weniger, den der Umgang mit den Tieren hier möchte man nicht unbedingt sehen. Weiter ging’s nach Quito, wo wir sehr zentral, beim Hostal Zentrum, einen Schlafplatz fanden. Von hier erkundeten wir dann zu Fuss die schöne, jedoch sehr touristische Altstadt und da es Sonntag war, wurde es uns sehr bald zu Menschenreich und wir verzogen uns bald wieder. Auch nutzten wir Quito, um eine Amazonas Tour und letztendlich doch auch noch eine Galapagos-Cruise zu buchen. Die Freude über diese erfolgreichen Buchungstag war gross und wir deshalb ziemlich aus dem Häuschen.

Bis Lago Agrio, wo unsere Jungletour wenige Tage später startete, liessen wir uns Zeit und waren froh, die Grossstadt Quito nach 3 Tagen wieder zu verlassen. In Lage Agrio dann angekommen, fanden wir beim Hotel Planinum Class herzliche Besitzer und ein idealer Ort, unser Auto während den 4 Tagen unserer Abwesenheit sicher stehen lassen zu können. Von da aus ging es zuerst 2 Stunden mit dem Bus, dann gemütliche 4 Stunden mit dem Kanu zu unserer gebuchten Nicky Lodge im Naturreservat Cuyabeno. Bereits auf dem Wasser zeigte sich uns eine Schlange, Fledermäuse, Tucans und Cappucchino Äffchen, einiges davon jedoch ziemlich weit weg und nur mit Hilfe des Guides aufzuspüren. Täglich genossen wir dann eine bis zwei Ausflüge mit dem Kanu und meist abends beim Eindunkeln eine Tour zu Fuss durch den Regenwald. Einmal besuchten wir eine Community, wo wir einen Einblick in deren Alltag bekamen und zusammen Yuca Brot backten. Nach 4 Tagen endete diese Tour dann auch schon wieder und aufgrund des feuchtwarmen Klimas war deren Länge für uns perfekt gewählt. Zurück in Lago Agrio genossen wir nochmals einen Tag die Gastfreundschaft der Hoteleigentümer und verabschiedeten uns dann Richtung San Raffael und Malo Wasserfall, wo wir auch gleich nächtigten.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zum „mitad del mundo“ (Mitte der Welt) in der Nähe des Catequilla Hügels, wo auf der Äquatorlinie eine riesige Sonnenuhr errichtet wurde. Hier wurde mit Hilfe des ecuadorianischen Militärs der Äquator auf 1 mm vermessen. Im Schatten der grossen Touristenattraktion ist diese Sonnenuhr wesentlich spannender und die persönliche Erklärung des Hüters wirklich fundiert und sehr spannend. Hier erfährt man auch, mit welcher Methode die Ureinwohner durch reine Beobachtung der Sonne schon vor über 1000 Jahren den Äquator definiert haben. Das grosse Monument des Äquators wird wohl auch in Zukunft ein Touristenmagnet bleiben, auch wenn die Wahrheit ein wenig daneben liegt. Nachdem wir die Nacht fast auf der Äquator Linie verbracht haben, kehrten wir über die Mojanda Laguna, wo wir erstmals in luftiger Höhe auf 3 758 M.ü.M. nächtigten, nach Ibarra und somit der Finca Sommerwind zurück, um erwartete Post aus der Schweiz entgegen zu nehmen. Wieder verweilten wir einige Tage beim hübschen Camping am lago Yahuarcocha, erledigten klein- und grösseren Kram und die Vorfreude auf unser bevorstehendes Galapagos Abenteuer rückte währenddessen in greifbare Nähe. Via Laguna Cuicocha und Therme Nangului fuhren wir zum Hostal Colibri nahe dem Flughafen, wo wir Redland für die 8 tägige Galapagos Reise auch sicher parken konnten. Da das Galapagos Abenteuer den Rahmen dieses Reiseberichtes definitiv sprengen würde, haben wir hierfür einen eigenen, kurzen Bericht erstellt.

Zurück von einer traumhaften und unvergesslichen Galapagos Woche haben wir auch gerade die Regenzeit in Ecuador hinter uns gelassen. Zeit also, die Vulkane und deren Schönheit zu besuchen und bestaunen. Cotopaxi mit einer Höhe von 5 850 M.ü.M. machte den Anfang. Bei 5 000 M.ü.M. ging uns hier der Schnauf aus resp. gab es ohne Steigeisen kein durchkommen, genächtigt haben wir hier am Fusse des Vulkanes. Dem Krater Quilotoa gehörte unser nächste Besuch. Besonders schön war es hier, da wir auf zwei tolle, junge Bekannte aus der Schweiz trafen. Der Sohn eines Ex-Arbeitskollegen von Roger bereist mit seiner Freundin ebenfalls den schönen Kontinenten, weshalb wir zusammen die 12 km lange Kraterumrundung unter die Wanderschuhe nahmen, bevor wir mit einem Apero auf das Wiedersehen fernab der Heimat angestossen haben. Die kalte Abendtemperatur liess es leider nicht zu, den Abend gemütlich draussen ausklingen zu lassen. Bald verabschiedeten uns dann wieder von den beiden in verschiedene Richtungen, denn wir wollten jetzt zum Höchsten Ecuadors, dem Chimborazo, welcher mit einer stolzen Höhe von 6 268 M.ü.M. aus der Erde ragt. Hier brachen wir dann auch unsere persönlichen Höhenrekorde, indem wir zur Lagune Condor Cocha auf 5 100 M.ü.M. liefen. Conny stolz darüber, wollte Roger noch höher hinaus, er war richtig im Höhenrausch, fühlte sich sehr wohl in dieser luftigen Höhe und heuerte spontan einen Bergführer für die Besteigung des Gipfel an. Gesagt, getan, um 22h00 am selben Tag war Tagwache, um 23h00 Aufbruch. Leider musste er bei 5 850 M.ü.M. nach ersten Anzeichen von Höhenkrankeit auf 5 700 M.ü.M. definitiv das Handtuch werfen. Der Kopf wollte zwar weiter, die Beine noch fit und der Kopf beschwerdefrei, der Brechreiz jedoch weiter präsent. Die Enttäuschung sass ihm im Nacken, zu gut hat er sich bei seinen vorherigen Wanderungen mit schwerem Rucksack gefühlt. Auch Conny war nach diesen drei Vulkanen zum weiteren Abstieg zumute, den 4 Nächste auf über 3 700 M.ü.M. und 2 über 4 600 M.ü.M. bekam vor allem ihr nicht sehr, fand kaum Schlaf. Wir fuhren Banos an und genossen dort die Wärme, die tiefe Lage und den göttlichen Schlaf. Nochmals trafen wir hier auf Cornel und Yasmine und verbrachten schöne Tage und sehr gesellige Plauder- und Spielabende mit den beiden.

Die drittgrösste Stadt Cuenca hatten wir dann im Visier und so ging unsere Reise weiter Richtung Süden. Die Auswahl an Stell- oder Schlafplätzen mit Auto in der drittgrössten Stadt nicht gross, entschieden wir uns, die Unterkunft ‚Tu parada en Cuenca‘, 10 Fussminuten vom Zentrum, anzufahren. Eine Familie stellt da den iOverlander ihr Innenhof zum Parken und schlafen an und bietet Ihnen gleichzeitig in Ihrem Haus die Küche, das Bad und Wohnzimmer mit gemütlichem Cheminee zum Gebrauch und Verweilen an. Wir haben unsere Wahl nicht bereut, trafen wir da auf eine sehr gesellige Overlander-Runde, eine quirlige und herzallerliebste Besitzerin und eine warme Stube, wo wir u.a. das erste WM Fussballspiel der Schweizer Nati schauen konnten. Nach 3 Nächten zog es uns wieder aus der schönen Stadt in den Cajas Nationalpark. Der atemberaubend schöne, kühle, moorähnliche paramo des Cajas N.P. ist bekannt für seine vielen Seen, die vielen Möglichkeiten zum Forellenfang und Wandern. Uiiiiii ja, kühl war es nachts, und so hatten wir auf knapp 4000 M.ü.M. unsere wohl kälteste Nacht der ganzen bisherigen Reise, welche uns mit Merino Unterwäsche und Kappe ins Bett schickte. Die Tage waren jedoch perfekt zum Wandern und da wir unter der Woche da waren, genossen wir viele Pfade für uns alleine. Schon wieder fast 2 Monate im Land, nahmen wir weiter Kurs nach Süden und besuchten den Ort Vilcabamba, wo uns noch 150 km von der Grenze zu Peru trennte. Vilcabamba, auch Tal der Hundertjährigen genannt, ist für seine langlebigen Bewohner berühmt. Die Einwohner sind sich einig, dass ihr einfaches, stressfreies Leben in der schönen Andenlandschaft und frischen Luft einem langen Leben zuträglich ist. Wir finden, wir hätten unsere letzte Destination hier in Ecuador nicht besser wählen können.

Weitere Bilder findet man in der Galerie, unter Südamerika - Ecuador


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