Heimreise - Roger Anderes Fotografie

Heimreise

Reisedauer: 24. April - 17. Juni 2019

Gefahrene Kilometer: 1 390 / mit Grande Nigeria 12 333 km

Am ersten Morgen gingen wir zuerst an Deck, die Aufzeichnung auf dem iPad verriet uns zwar, wo wir sind, aber wir wollten es auch sehen. Es war bereits kein Land mehr in Sicht, nicht vorne, nicht hinten und auch nicht links oder rechts, wir fühlten uns frei wie Vögel! Auf Delfine mussten wir an diesem Morgen nicht lange warten, es war irgendwie zu kitschig, um wahr zu sein. Und als wir kurz nach dem Frühstück gebeten wurden, um zu parken, konnten wir uns gerade versichern, dass auch Redland die erste Nacht gut überstanden hat.

Ja, da waren wir nun, 31 Personen an Bord. Nebst uns noch 2 Passagiere aus dem Wallis, französisch sprechend, und 27 Crew Mitglieder, welche aus Italien, den Philippinen, Rumänien und Bulgarien stammten. Martine und Jean-Michel waren uns auf Anhieb sympathisch, sprachen englisch, sodass wir uns sogar mit den beiden Schweizern unterhalten konnten ;0).

Wir warteten auf Langeweile. Oft darauf angesprochen, was wir dann auf dem Schiff machen würden, überforderten uns die Möglichkeiten am Anfang sogar. Wir hatten 3 fixe Termine am Tag: Frühstück, Mittag- und Abendessen. Viele Bücher, DVD und Puzzles lagen auf, es gab einen Fussballkasten, einige Fitnessgeräte, eine Brücke mit Aussicht, auf der wir immer willkommen waren, Stühle an Deck, Fotos zu sortieren, Tagebuch und Reisebericht zu schreiben...wir hofften, wir würden dies alles unter einen Hut kriegen.

Bei der obigen Aufzählung haben wir die Landausflüge ganz vergessen. Die Küstenstadt Santos in Brasilien liefen wir in der dritten Nacht an und blieben 24 Stunden da, weshalb wir an Land gehen durften. Mit Passkopie, Helm und Weste liefen wir nach dem Frühstück durchs Hafengelände zum Ausgang und rein ins Zentrum. Die 27 Grad am Morgen und die hohe Luftfeuchtigkeit trieb uns den Schweiss schnell ins Gesicht. Genau so schwül kannten wir Brasilien bereits. Dank Smartphone hatten wir den Stadtplan mit dabei und spulten an diesem Tag über 10 km ab. Zum Nachtessen erwartete man uns wieder zurück.

Statt um Mitternacht verliessen wir Santos erst früh am nächsten morgen, Kurs Rio de Janeiro, welches wir kurz vor Mitternacht, und somit gerade noch an Rogers Geburtstag, erreichten. Ausser dem Sicherheitschef, der ihm auf der Brücke zum Geburtstag gratulierte und einen Kaffee offerierte, blieb sein Tag unbemerkt. Per Zufall gab es zum Z’nacht jedoch Pizza, Rogers Lieblingsessen. An einen Landausflug am nächsten Tag war leider nicht zu denken, denn infolge Rios hohen Hafengebühren verweilt Grimaldi hier nicht länger als unbedingt notwendig. Während wir uns nach der langen Hafeneinfahrt entlang der berühmten Copacabana und dem Zuckerhut ins Bett legten, hiess es deshalb Nachtschicht für die Crew. 10 Stunden nach der Hafeneinfahrt fuhren wir wieder dieselbe Strecke raus, sodass wir die Wahrzeichen nochmals am Tag vom Schiff aus sehen konnten. Die Christus Statue, welche hoch über der Stadt thront, war von überall zu sehen. Und schon war es wieder Mittag und somit Essenszeit. Am Abend dann die grosse Überraschung! Der Kapitän hielt beim Nachtessen eine kleine Ansprache, offerierte Sekt und 2 Linzertorten aus der Küche, gratulierte Roger nachträglich zum Geburtstag und hiess uns 4 Passagiere offiziell willkommen an Bord. Wir konnten uns ein Grinsen nicht verkneifen, war es doch bereits unser 5 Tag an Bord. Übel konnte man es ihm nicht nehmen, zwar kein grosser Redner, aber nicht unsympathisch. Auch erinnerten wir uns, dass die Passagiere auf der Grimaldi nicht das Herzstück, sondern nur geduldet sind, so steht es zumindest in den Buchungsbedingungen.

Am nächsten morgen in Victoria angekommen, nutzten wir hier nochmals die wahrscheinlich letzte Gelegenheit, an Land zu gehen, bevor es dann in 6-7 Tagen über den Atlantik nach Afrika ging. Die Hafenein-/ Ausfahrt hat uns jedoch wesentlich besser gefallen, als der Ort selber, auch war Feiertag und somit fast alles geschlossen.

Jetzt verliessen wir die brasilianische Küste endgültig und hielten Kurs Richtung Afrika, rüber nach Senegal, um genau zu sein. Am ersten Vormittag auf dem offenen Atlantik regnete es wie aus Kübeln und wir machten es uns im Aufenthaltsraum gemütlich. Sonne und Wolken wechselten sich die darauffolgenden Tagen ab, es war jedoch bis Dakar immer warm, sodass wir in Shirt und Shorts draussen sitzen konnten, lasen, Musik hörten oder einfach aufs Meer hinaus schauten und uns dabei den Wind um die Ohren sausen liessen.

Am 1. Mai fiel das Mittagessen noch üppiger aus als sonst, es gab Barbecue, welches mit 2 verschiedenen Pasta Gerichte startete, gefolgt von 3 verschiedenen Fleischsorten und Pommes. Auch hatten wir Passagiere eine gekühlte Flasche Weisswein auf dem Tisch, eine kleine Aufmerksamkeit vom Kapitän. Wein zum Essen war für die Passagiere zwar nicht unüblich, bisher verzichteten wir aber auf unser Rotweinfläschchen am Mittag. Es ist wohl selbstsprechend, das wir uns aufgrund der jeweiligen 4-gänger zum Zmittag und Znacht selber einen vierten fixen Tagestermin verordneten. Wir nahmen uns vor, regelmässig ins Fitness zu gehen, den am Abend gab es obendrauf, nach all dem Essen, noch eine grosse, super leckere Torte. Unser Kapitän feierte an diesem Tag Geburtstag, wie wir dann beim Anstossen mit ihm und der Crew erfahren haben.

Den nächsten Vormittag durfte Conny mit Francesco in der Küche verbringen, den sie wollte lernen, wie man italienische Antipasto macht. Ja, so schwanden die Tage der Antlantiküberquerung dahin, weit und breit kein Land und keine Langeweile in Sicht.

Am 11 Tag überquerten wir den südlichen Äquator. Wird diese Überquerung auf einigen Schiffen feuchtfröhlich gefeiert, passierte bei uns nichts. Es mag daran liegen, dass die Grande Nigeria unter der italienischen Flagge läuft, welche für die Crew stricktes Alkoholverbot verhängt. Wir hielten die Überquerung mit einem Foto der 00 00‘00‘‘N Koordinaten fest.

Am siebten Tagen, mit einer nur aus Meer bestandenen Rundumsicht, kamen wir vor der Küste Senegals an. Am Hafen von Dakar anlegen durften wir an diesem Tag jedoch nicht, das Dock war schon belegt. Schnell war klar, dass wir diese Nacht vor dem Hafen verbringen. Da es in Afrika nicht selten vorkommt, dass sich blinde Passagiere Zutritt aufs Schiff verschaffen, wechselte sich die Crew im 4 Stunden Takt ab, auf dem Deck Wache zu schieben, Tag und Nacht. Am nächsten Tag ging nichts, wir standen am Abend noch am gleichen Ort wie am Vorabend. Willkommen in Afrika, das der Kommentar unseres Kapitäns. Um 22 Uhr kam dann tatsächlich noch der Pilot an Bord und manövrierte das Schiff sicher in den Hafen. Daran glaubte an diesem Abend wohl keiner mehr. Nicht nur die Aussicht auf das Hafengelände war anders als zuvor, es roch auch anders als bisher. Irgendwie nach Fisch, fanden wir. Unserer Crew stand wieder eine Nachtschicht bevor, während wir Passagiere uns kurz vor Mitternacht ins Bett legen konnten.

Am nächsten Tag erkundeten wir Dakar, welches chaotisch, laut und unaufgeräumt auf uns wirkte. Überall stand altes, zerfallenes, die Leute nett aber mühsam anhänglich. Die Landessprache Französisch, kam uns nur Spanisch in den Sinn. Müde, verschwitzt aber zufrieden und mit neuen Eindrücken kehrten wir vor dem Abendessen von diesem intensiven Schauplatz zurück. Es war gerade Ramadan, weshalb die Arbeiten auf dem Schiff nur gemächlich voran schritten und wir die kommende Nacht auch im Hafen verbrachten. Fast wäre es eine dritte geworden, aber kurz bevor die Sonne unterging, und die Moslems wieder essen durften, fuhr uns der Pilot wieder aus dem Hafen raus, womit wir unsere Reise fortsetzen konnten.

Der Nächste Stopp hiess nicht, wie ursprünglichen angenommen, Antwerpen, sondern Hamburg. Die Fracht an Bord verlangte diese Planänderung, welche unsere eigene Reise um 3-4 Tage verkürzte, jene einiger Crewmitglieder, zu deren Leidwesen, noch weiter rauszögerte. So hätte z.B. unser Messman Edgard, der von den Philippinen stammt, nach mittlerweile über 8 Monaten an Bord, von Dakar heimfliegen sollen. Aus für uns unbekannten Gründen musste seine Familie jetzt nochmals fast 2 Wochen länger auf ihren Ehemann und Vater warten. Die Anforderungen an die Crew auch bzgl. Flexibilität erlebten wir als sehr hoch, aber Edgard beklagte sich nie und war gewohnt freundlich zu uns. Wir dankten es ihm mit mitgebrachten Cookies vom Landgang und versüssten ihm damit hoffentlich ein bisschen die Wartezeit bis zu seiner Heimkehr.

Die Fahrt entlang der afrikanischen Küste war gewohnt ruhig. Später, als wir vor der Bucht von Biscaya navigierten, waren die Wellen während knapp 24 Stunden 3-4 Meter hoch. Harmlos, gemäss Kapitän, können diese im europäischen Winter anscheinend gut und gerne über 12 Meter hoch sein.

Am 17. Mai 2019 hatten wir dann erstmals nach 27 Monaten wieder europäischen Boden unter den Füssen. Nach 25 Tagen auf dem Schiff in Hamburg angekommen, endete hier unsere Schiffsreise, die wir jederzeit wieder machen würden. Nach 4 1/2 Stunden, so lange brauchten wir bisher auf unserer gesamten Reise nie, eine Grenze zu passieren, durften wir zusammen mit Redland das Hafengelände verlassen und somit in Europa einreisen.

Die nächsten 2 Nächte verbrachten wir auf dem Wohnmobilhafen in Hamburg, welcher unglaublich laut, aber gleichzeitig sehr zweckmässig und zentral war, um uns von dort aus die nächsten 2 Tage Hamburg anzusehen.

Hamburg hat uns gut gefallen, machte uns aber auch nicht zu Großstadt Fans, und so nahmen wir danach unsere letzte Etappe Richtung Heimat unter die Räder. Wie geplant besuchten wir auf dem Weg in die Schweiz noch Reisebekanntschaften, unsere La Yunta Freunde Nicole und Uwe, sowie Heiner und Elke, die uns, ohne das wir uns zuvor jemals gesehen haben, ihre Wohnadresse in Hamburg zur Verfügung stellten, um dort benötigte Post empfangen zu können.

Fast 3 Wochen nach unserer Ankunft in Hamburg fuhren wir bei sagenhaften 30 Grad rein in die Schweiz, wo wir mit einem freundlichen „Grüezi“ vom Zollbeamten freie Fahrt kriegten.

Bevor es ganz nach Hause ging, machten wir noch einen spontanen Überraschungsbesuch und verbrachten die letzte Nacht unserer Reise auf dem Tannenberg, Alpsteinpanorama inklusive.

Am nächsten Tag folgten dann die ersten herzlichen und emotionalen Wiedersehen. Nur 2 Tage später brachen wir jedoch nochmals zu einer kleinen Schweizertour auf. Unglaublich dankbar, nach knapp 28 Monaten und fast 76 000 gefahrenen Kilometern, gesund und mit vielen unbezahlbaren Momenten und Begegnungen zuhause angekommen zu sein, steht uns jetzt das vorerst letzte Abenteuer „Fuss fassen“ bevor - noch bleibt es für uns spannend.....!


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