Kolumbien 2 - Roger Anderes Fotografie

Kolumbien 2

Reisedauer: 18. März - 30. April 2018

gefahrene Kilometer: 3 911 km

Bevor Conny Redland sah, hörte sie ihn, da kamen die beiden endlich! Auf dem Balkon entwich ihr beim Anblick von Roger und Redland ein Jubelschrei, der Traum durfte weiter geträumt werden. Zuerst jedoch die Arbeit, dann das Vergnügen, wer kennt das nicht. Abmontiertes musste wieder montiert und unsere sieben Sachen eingeräumt werden. Geduldig warteten wir somit den nächsten Morgen ab und düsten dann Richtung Minca. Was sich so einfach liest, war für uns fast wie eine zweite Ankunft in Südamerika, selber am Steuer zu sein, auf der anfangs unvertrauten linken Strassenseite irritierte vor allem Conny, die immer dachte, auf der falschen Strassenseite unterwegs zu sein. Die Überholmanöver furchterregend, rechts und links vorbei, aus einer Fahrspur wurden mehrere gemacht und die doppelte Sicherheitslinie sowie Geschwindigkeitslimiten scheinen hier definitiv niemanden ausser uns zu beeindrucken. Das Ausschau halten nach der Ausschilderung nach Minca und Zuwarten bezahlten wir dann mit einer ungewollten Citytour durch die 2 Mio. Stadt Barranquilla, welche wir nicht gerade im Touristenviertel erkundeten. Ein etwas mulmiges Gefühl kam in uns auf, welches aber voll unbegründete war, waren wir dann doch froh, Minca noch vor dem Eindunkeln erreicht zu haben. Hier trafen wir dann auch bereits auf die ersten Reisenden aus Deutschland, welche ebenfalls mit ihrem eigenen Toyota Landcruiser unterwegs sind. Ganz gierig auf Bewegung schnürten wir am nächsten Tag die Wanderschuhe an und erkundeten die umliegenden Wasserfälle. Wie von Cartagena gewohnt, machten wir das in der Sommeruniform und haben heute noch etwas von diesem Ausflug, denn nicht nur wir, sondern auch viele Mücken und Sandfliegen oder Sandflöhe waren da - du heilige Sche……, wir haben das Gefühl, wir haben uns Wochen später noch aufgekratzt. Unser nächstes Ziel war der vielgerühmte Camping Casa Grande, welcher ein Steinwurf vom Tayrona N.P. liegt. Trotz den im Park verlockenden Strände entschieden wir uns gegen einen Besuch. Der Park war der ganze Februar für Renovations- und Reinigungsarbeiten geschlossen, also erst vor kurzem wieder geöffnet und wir fürchteten Menschenmassen und darauf hatten wir nach dem touristischen Cartagena einfach keine Lust. Trotz den warmen Temperaturen hüllten wir uns auf Anraten des Campingbesitzers beim Eindunkeln in lange Kleider und schmorten dabei vor uns hin. Aber uns erneut den blutrünstigen Insekten zu überlassen, war definitiv keine Alternative. Nach drei Nächten war es dann für uns an der Zeit, Meer und Küste zu verlassen, wir wollten Hügel oder noch lieber mal wieder Berge sehen. Wieder unterwegs zu sein, fanden wir so richtig genial und strahlten wohl über alle Backen, den die Polizisten winkten uns immer durch und das stark präsente Militär streckte uns immer den Daumen nach oben gerichteten zu und wir dankten es Ihnen, indem wir das Gleiche taten. Damit wurde einem versichert, dass die Strassen sicher sind. Die herzlichen und hilfsbereiten Menschen gab es nicht nur in Cartagena, sondern wurden von uns in ganz Kolumbien angetroffen. Zwischen San Gil und Barichara schlugen wir dann wenige Tage später unsere Zelte wieder auf. Redland gönnten wir eine Pause und besuchten von dort bequem mit Bus die sehenswerte Kolonialstadt Barichara, gegründet 1714, 1978 zum Nationaldenkmal erklärt und noch heute sensationell erhalten. Um San Gil selber zu besichtigen, wechselten wir zwar den Camping, liessen das Auto wieder stehen und fuhren auch hier per Bus ins Zentrum. Da wir uns noch immer in der Osterwoche befanden, in der haufenweise Kolumbianer selber unterwegs waren, genossen wir am Abend einen geselligen Abend mit einer Kolumbianischen Familie. Als Dank, dass wir deren Kaffeeeinladung gefolgt sind, beschenkten Sie uns bei der Verabschiedung noch mit einem Sack voller Früchte. Einmal mehr ringten wir um Worten, die Herzlichkeit der Kolumbianer von uns oft in Worte kaum zu fassen. Das malerische Villa de Leyva war dann unsere Osterwochenend Destination, weshalb wir mit ganz vielen anderen mitten auf dem grössten Dortplatz Kolumbiens beim Messeumzug standen. In Villa de Leyva befindet sich auch das fast vollständig aus Ton handgefertigte Märchenhaus „Casa Terracota“, das uns total entzückte und etwas an ein Schlumpfhaus erinnerte. Am Abend wurden wir spontan vom deutschen Paar, welchem wir zum ersten Mal in Minca begegnet sind, zu Schweizer Bratwürsten, erworben beim Swiss Gourmet in Tunja, eingeladen. Was für eine Gaumenfreude. Mit dem Wissen, dass der ausgewanderte Schweizer auch Appenzellerkäse verkauft, machten wir einen grösseren Abstecher in die entgegengesetzte Richtung. Dort trafen wir auf einen unglaublich sympathischen, jungen Mann namens Roman vom Bichelsee, der uns beim Kaffee trinken, als könnte er Conny’s Gedanken lesen, mit einem Wurst-Käse-Salat verwöhnte! Sie äusserte nämlich vor wenigen Tagen, dass Sie das kulinarisch aus der Heimat am Meisten vermisse. Wir dankten es ihm mit unserem Wurst, Fleischkäse und Käseeinkauf und erfreuten uns die nächsten Tage daran. Nach Medellin fuhren wir übers satt grüne Hochland und überquerten auch die Kordillere von Ost nach West, wobei Redland doch so einige Höhenmeter zu bewältigen hatte, denn immer wieder ging es ganz schön rauf und runter, umgeben von einer wunderschönen Berglandschaft. Der Beifahrer erfreute sich kommentierend an der atemberaubenden Aussicht, denn vom Fahrer war höchste Konzentration gefordert, die Überholmanöver an unübersichtlichen Stellen so haarsträubend, dass man auf die Idee kommen könnte, die Kolumbianer hätten alle Schutzengel der Welt für sich gepachtet. Auf der Finca San Luis, nähe San Pablo de Borbur, trafen wir auf einen besonders schönen (Übernachtungs-) Platz. Alejandro verliess mit seiner Frau vor 3 Jahren die Hauptstadt Bogota und machte sich zum Ziel, den besten Cacao Kolumbiens zu produzieren. Noch steckt er zwar in den Anfangsschuhen und trotzdem schmeckte uns der selber produzierte Cacao nach einer sehr lehrreichen und ausführlichen Cacao Tour vorzüglich. Und dass wir uns bereits seit Tagen an einer satt grünen Landschaft erfreuen durften, hat einen einfachen Grund: Fast pünktlich zum Auftakt der Regenzeit ab April gab es jeden Tag mindestens einen Regensprutz, mal nur wenig, mal mühsam anhaltend. Die Temperaturen beeinflusste der Regen kaum, ausser, wir befanden uns in Höhen über 2000 - 2500 M.ü.M, dann sassen wir am Abend gerne gemütlich in unserem rollenden zuhause. Da wir aber noch immer Mücken- und Sandfliegen geschädigt waren, trugen wir sowieso meist lange Kleider, was dann auch zu den kühleren Temperaturen ganz gut passte. In Santa Elena, nähe Medellin angekommen, trafen wir geplant und zu unserer grossen Freude auf unsere „Internet“ Freunde Gaby und Marco alias Wurzel. Dank deren Reiseblog (www.travelers.ch) sind wir doch schon seit Herbst 2015 mit den beiden unterwegs. Ebenfalls von der Schweiz nach Australien und 15 Monate später nach Südamerika verschifft, waren sie uns immer eine Nasenlänge voraus. Oh mann, wir kamen aus dem Quasseln gar nicht mehr heraus und haben die zwei wohl wie eine Zitrone ausgepresst. Herzlichen Dank für ALLES, eine schöne Rückreise in die Heimat und eine spannende und aufregende Zeit bei all euren künftigen Vorhaben, wünschen wir euch! Nebst den unterhaltsamen Stunden mussten wir uns hier aber auch um unser Batterieproblem kümmern, dachten wir zumindest, dass es das sei, den unser Kühlschrank zeigte auf einmal 11 anstatt der normalen 5 Grad an. Nach dem Batteriecheck in einer Garage in Medellin kümmerten sich ein paar versierte Overander auf dem Camping mit telefonischer Unterstützung von Patrick, „unserem“ Autoelektriker aus der Schweiz, erfolgreich um das Problem. Ein Problem mit dem Relais verhinderte, dass die hintere Batterie während des Fahrens lädt. Noch auf dem Platz konnte dann die Ursache mit viel „manpower“ behoben werden. Unsere Freude über den Erfolg natürlich riesig! Kaum war diese Baustelle behoben, folgte die nächste. Auf unsere Homepage angesprochen, diese würde nicht richtig funktionieren, nahm Roger auch dieses „Leck“ in Angriff. Aber auch hier ging es letztendlich nur mit Unterstützung aus der Schweiz. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Stefan! Aller guten Dinge sind drei, sagt man, aber so lange wollten wir dann doch nicht warten und verliessen Santa Elena Richtung Guatape, den dort wartete ein 200 Meter hoher Granitfels namens El Penol mit 649 Stufen, von uns bestiegen zu werden. Für einmal stimmte Conny dem Sprichwort „Sport ist Mord“ zu, den sie brauchte doch die eine oder andere Verschnaufpause, wurde dann aber mit einer fast 360 Grad Aussicht auf den Guatape See für die Strapaze belohnt. Auch das urige Kolonialdorf Guatapa ist ein Besuch wert, denn viele Häuser haben einen Sockel, der mit dreidimensionalen Darstellungen dörflichen Lebens geschmückt ist. Wieder auf der fast komplett gegenüberliegenden Seite liegt Jardin, nicht sehr bekannt und genau deshalb von uns als nächste Destination visiert. Das charmante koloniale Bergstädtchen verfügt über einen schönen Hauptplatz, welcher von der neogotischen Iglesia de la Inmaculada Concepiton Menor, einem Nationaldenkmal, beherrscht wird. Dieser Ort versprach auch, die Wanderschuhe binden zu können und mit einer Seilbahn auf einen Gipfel mit Stadtaussicht fahren zu können. Diese funktionierte jedoch leider gerade nicht, unsere Wanderschuhe waren aber verfügbar - was für ein Glück! Wir trafen hier nicht nur auf eine schöne Umgebung, sondern auch auf Vögel besonderer Schönheit. Obwohl wir uns nicht zu Vogelliebhabern oder Beobachtern zählen, erwecken hier die hübschen Exemplare immer wieder unsere Aufmerksamkeit. Jemand der etwas mehr als wir von Vögeln versteht, liess uns wissen, dass es in Kolumbien zwischen 1850 - 1900 verschiedene Vogelarten gibt, wovon etwa 75 endemisch sind. In Jardin pfusten wir bei einer Forellenzucht, deren Inhaberin mal wieder eines dieser überdimensional grossen Herzen hatte. Nebst Ihrer netten und herzlichen Art überraschte sie uns wiederholt mit einheimischen Köstlichkeiten, welches wir genüsslich verzehren durften. Ja, bei Ihr hätten wir es noch ein Weilchen ausgehalten, aber es gibt doch noch so einiges, das von uns hier in Kolumbien entdeckt werden möchte, so zum Beispiel das Valle de Cocora bei Salento. Das Tal strahlte bei unserer Ankunft von der Schokoladenseite, weshalb wir uns kurzerhand entschieden, zuerst zu wandern, später Salento zu besichtigen. Das Valle de Cocora verdankt seine Schönheit den hier heimischen Wachspalmen, die wie schlanke Säulen über die grünen Hügel ragen, bis zu 60 Meter hoch und 100 Jahre alt werden können. Wow, haben wir es genossen, 2 Tage mit den Wanderschuhen inmitten dieser Traumlandschaft unterwegs sein zu können. Dieses Tal wird übrigens als tropische Version der Schweiz bezeichnet, woran es wohl liegt, dass es uns so sau gut gefallen hat. Dem typischen paisa-Städtchen Salento wollten wir dann aber auch noch einen Besuch abstatten und erfreuten uns erneut an bunt bemalten Häuser, den kunterbunten Souvenirs, Hängematten, Taschen etc. Ja, wenn es jetzt nach Hause gehen würde… aber so deckten wir uns vor allem mit feinem Kaffee ein, befinden wir uns hier doch noch in der Kaffeeregion Kolumbiens, die über allerfeinsten Kaffee verfügt. Die Kaffeetour, die wir nähe Chinchina infolge massiv angestiegener Preise nicht gemacht haben, holten wir hier widererwarten nach. Nicht in dieser langen Ausführung wie unsere genossene Cacao Tour, aber trotzdem war die Führung toll und spannend, kommt Kaffee doch weder von George Clooney noch von Nespresso. Von Salento in die Desierte de la Tatacoa nahmen wir dann wieder, wie schon von Jardin aus, den Hinterausgang, den wir wollten die Wachspalmen noch einmal bewundern können, abseits der Touristenpfade. Auch war davon nichts im Reiseführer zu erfahren, ein Grund mehr also, es auszuprobieren und wir fanden, es hat sich gelohnt, nicht zeitlich, aber aussichtstechnisch. In der Tatacoa Wüste fanden wir einen schönen, ruhigen Pfusiplatz und schliefen wieder mal unter einen Himmel mit tausend Sternen. Das allerdings Conny dort am Tag/Abend vor ihrem Geburtstag von -zig Stechinsekten verküsst wurde, bemerkten wir leider erst tags darauf und so sah sie dann auch wie ihr Geburtstagskuchen höchstpersönlich aus, schön gestreuselt. Die Lust, länger da zu verweilen, beschränkte sich dann auf die schöne Wanderung im Canyon El Cuzco, dem Highlight der Wüste. Der Ablauf des Visas in greifbarer Nähe zwang uns auch, etwas vorwärts zu machen, weshalb wir uns grossen Schrittes nach San Augustin zu den Steinmännchen aufmachten. Weiter ging es dann via Mocoa nach Pasto, wo die Route mit dem vielversprechenden Namen „Trampolin del Muerte“ lauerte. Das einzige, was wir jedoch tödlich fanden, war das Wetter auf dieser Route, den der aufgestiegene Nebel und der Regen vermieste uns ganz schön die Aussicht. Trotz des sehr durchzogenen Wetters legten wir nochmals einen zweitätigen Stop an der laguna de la cocha ein, welcher sich weniger wegen dem Wetter, aber sicher wegen dem Besitzer der Waira refugio de la laguna sehr gelohnt hat. Ein echt gelungener Kolumbianer namens Jorge, der Roger zum Geburtstag grosszügig mit Kolumbianischen Gourmet-Kaffee beschenkte. Bevor wir dann definitiv aus unserem erst bereisten Land in Südamerika reisten, wollten wir noch die im Tal liegende Kirche im Wallfahrtsort Las Lajas besuchen, die am Abend etwas kitschig in allen erdenklichen Farben erstrahlt. Gesagt getan, runter ging es mit der Seilbahn, am Abend mit dem Taxi zurück zum Auto bei der Seilbahnstation, wo wir dann auch gleich die kurze Nacht verbrachten. Um 4.15 holte uns der Wecker aus dem Tiefschlaf, wir wollten die Grenze nach Ecuador unbedingt möglichst früh am Morgen passieren, denn aufgrund der vielen Flüchtlinge aus Venezuela, welche ihr Land aufgrund der Unruhen in Scharen verlassen, haben wir von diesem Grenzübergang im Vorfeld ganz viele unschöne Geschichten gehört und stellten uns deshalb auf einen sehr langen, geduldigen Tag an der Grenze ein… Weitere Bilder findet man in der Galerie, unter Südamerika - Kolumbien


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