Peru 1 - Roger Anderes Fotografie

Peru 1

Reisedauer: 30. Juni - 10. August 2018

Gefahrene Kilometer: 3 690 km

Ungeplant zur perfekten Zeit erreichten wir die kleine Grenze Ecuador/Peru in La Balsa. In allen Büros lief gerade die WM Fussballpartie Frankreich - Argentinien. Es schien, als kämen wir höchst ungelegenen. Höflich, aber sehr zackig wurden wir bei der Immigration auf beiden Seiten bedient, ebenso schnell ging es bei der Aduana (Ausfuhr Fahrzeug) auf ecuadorianischer Seite. Wohl keine 10 Minuten vergingen, waren wir auf der peruanischen Seite. Der Beamte bei der Immigration schaute nur zu uns auf, um nach der gewünschten Aufenthaltsdauer zu fragen. Aus den gewünschten 90 Tagen gabs 100, dafür freuten wir uns mit ihm über den Ausgleichstreffer für Argentinien (Peru ist zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Turnier geschieden). Obwohl auch bei der Aduana in Peru der Fernseher lief, schien es sich hier um keinen Fussballfan zu handeln, er motzte ständig und als er dann ‚Suiza’ in seinem Computer nicht finden konnte, wollte er einfach Schweden aus uns machen. Höchste Zeit, zu intervenieren. Conny konnte ihn dann überzeugen, dass Switzerland und nicht Suecia (Schweden) die richtige Auswahl bei seinen zur Verfügung stehenden Ländern ist. So durfte sie ihm dann bei allen weiteren Eingaben behilflich sein und währenddessen genoss Roger weitere 5 Tore der laufenden Fussballpartie. Der Zollbeamte brauchte eine gefühlte Ewigkeit, war voll konzentriert bei der Sache und kopierte all seine benötigen Dokumente gleich selber, was wir natürlich super fanden. Nach ca. 50 Minuten liess er uns dann springen.

Wir passierten viele hübsch angelegte Reisfelder und genossen das neue Land mit 2 offenen Fenster, wurde es doch auf einmal richtig hitzig. Leider aber fiel uns auch sofort der enorme Müll an beiden Strassenseiten auf und erst dann realisierten wir so richtig, wie sauber Ecuador doch ist. Es verging auch keine Stunde, wurde Redland von den berühmt berüchtigten Tuk Tuk Peru’s umschwärmt, die oft und urplötzlich eine Vollbremse ziehen, um Fahrgäste aufzunehmen. Die ersten Tage in Peru machten wir viel Sightseeing. Der erste Besuch gehörte dem 774 Meter hohen, in zwei geteilten Wasserfall Gocta, welcher zu den zehn höchsten der Welt gehört. Die Wanderung war sehr schön, der Wasserfall führte aber leider ziemlich wenig Wasser. Danach besuchten wir eine selbst für Peru einzigartige Sehenswürdigkeit, die geheimnisvollen Statuen waren die Sarkophage von Karajia, den sie bargen Mumien in Hockstellung. Die stehenden Sarkophage wurden als Ruhestätte mumifizierter Personen gebaut und erinnern irgendwie an die Steinstatuen auf der Osterinsel. Über ihnen thronen Totenschädel. Weiter ging’s nach Kuélap, wo nebst Machu Picchu die zweite überragende archäologische Sehenswürdigkeit Perus liegt und anscheinend Machu Picchu ebenbürtig ist. Die Anlage thront auf 3000 M.ü.M. und wurde weit vor der Inkazeit vom Volk der Chachapoya geschaffen. Im Innern gibt es mehrere Stadtviertel mit über 400 ovalen bis runden Steinhäusern, welche wir mit nur wenigen anderen Besuchern bestaunen durften. Da seit 2 Jahren eine Seilbahn zur 1.5 km langen und 20 Meter hohen Festungsmauer umgebenen Anlage führt, liessen wir uns ziemlich abenteuerlichen 22 Minuten da hoch fahren. Von San Bartolo aus liefen wir dann zu den sog. Revash, die kleinen, sehr unzugänglichen Häuschen werden durch einen Felsüberhang vom Regen geschützt, haben Fenster und kreuzförmige Nischen. Etwas Stadtluft wollten wir danach in Cajamarca schnuppern, blieben jedoch auch nur gerade zum Käffele, einkaufen und zur Bargeldbeschaffung, da uns ausser des Hauptplatz der Ort selber sowie der Schlafplatz nicht sehr zusagten. In Marca Huamachuco besuchten wir einen weiteren archäologischen Komplex, welcher 400 - 300 v.Chr. auf einem stufenförmigen Felsabbruch gebaut wurde. Diese Ruinenanlage besteht hauptsächlich aus Plätzen, weshalb vermutet wird, dass sie für zivile, militärische und religiöse Veranstaltungen genutzt wurde.

Die nächsten Tage führten uns wieder über Stock und Stein, Pass hinauf und hinunter, Schluchten rein und raus. In Pallasca verliessen wir die schöne bergige Panamericana und folgten der AN100, welche uns durch die wunderschöne, meist einspurige und oft unübersichtliche Tablachaca Schlucht führte. Immer wieder mussten wir stoppen, konnten wir von der Aussicht und den riesigen Kakteen einfach nicht genug kriegen. Viel zu kurz war die Strecke, denn wir hätten wahrscheinlich noch viele Tage so unterwegs sein können. Mit dem bekannten canyon del pato (Entenschlucht) wartete jedoch bereits die nächste Schlucht auf uns und wir waren gespannt, ob uns diese auch so in den Bann zieht. Und sie tat es nach der Tablachaca Schlucht nicht wirklich, hatte im Gegensatz zu dieser jedoch recht enge Passagen, über 40 Tunnels und einen Wasserfall, bei welchem Roger kurzerhand entschied, das Auto hinsichtlich unseres Treffens mit seinem ehem. Arbeitskollegen Cornel und seiner Frau Gabi, sauber zu machen.

In Caraz war es dann so weit und die Freude, jemand sehr vertrauten aus der Heimat zu treffen, gross. Wir genossen die Zeit sehr und stiessen immer wieder auf das Wiedersehen an. Aber nicht nur das, zusammen besuchten wir auch die schöne, auf über 4000 M.ü.M. gelegene, Laguna Paron. Und als dann wenige Tage später auch Cornel und Yasemin, mit denen wir bereits einige Tage in Ecuador verbringen durften, den Weg nach Caraz fanden, war die Runde komplett. Nach fast einer Woche des gemütlichen Zusammenseins trennten sich unsere Wege wieder - macht’s gut, wir freuen uns jetzt schon auf das Wiedersehen in der Heimat.

Wir fuhren dann in den so gerühmten Nationalpark Huascaran, welcher auch die Schweiz Perus gennant wird und liefen am nächsten Tag auf die auf 4 600 M.ü.M. gelegene Lagune 69. Früh am Morgen ging’s los, musste man doch bis zu 5 Stunden für Hin- und Rückweg rechnen und wir die Wanderung vor den Tourbussen geniessen wollten. Da wir gleich am Ausgangspunkt der Wanderung, auf etwas über 3 800, geschlafen haben, waren wir mitunter die ersten, die losgelaufen sind. Unsere Bestellung von Sonnenschein kam da oben jedoch leider nicht an und so verzogen wir uns bald wieder vom Niesel- und Schneeregen in tiefere Lagen. In Huaraz, wo der Reiz nicht am Ort selber aber in der Umgebung liegt, genossen wir in einem Schweizer Restaurant, wie es zur Umgebung passt, Käsefondue gefolgt von Bratwurst und Cervelat. Die Entscheidung fiel uns schwer und nochmals hingehen wollten wir nicht, den wir wollten weiter, resp. zurück in den Nationalpark zu den Puya Raimondii‘s (Ananasgewächs) die über 10 m hoch werden können, wir leider aber nicht in voller Blüte antrafen. Die Gegend selber aber liess unser Fotoapparat wieder heiss laufen und obwohl wir beim Pastoruri Gletscher auf Schneefall trafen, konnte uns selbst dieser die gute Laune nicht verderben. Die Nächte da oben klirrend kalt, liess uns Redland resp. sein eingebautes Zubehör, die Standheizung, auch dbzgl. nicht im Stich und wärmte uns auch in luftiger Höhe.


Die nächsten Tage sind schnell zusammengefasst, den wir sassen für unsere Verhältnisse relativ viele Stunden im Auto, den wir wollten uns mal wieder eine grössere Stadt ansehen. Mit dem Besuch des Bosque de Piedras (versteinerter Wald), machten wir jedoch noch einen Abstecher, der uns sehr gut gefiel und die Beine vertreten liess.

In Ayacucho fanden wir dann einen super zentralen Unterschlupf und konnten die schöne Stadt dadurch in wenigen Minuten bei sommerlichen Temperaturen und Glace schleckend zu Fuss erkunden. Infolge des peruanischen Nationalfeiertag, am 28. Juli, verlängerten wir sogar noch und waren gespannt, wie in Peru dieser Tag gefeiert wird und mussten feststellen, in Ayacucho gar nicht und es wurde, zu unserer Überraschung, die ruhigste Nacht in der Stadt.

Mit Cusco avisierten wir gleich wieder eine Stadt und obwohl diese beiden Orte nur etwa 570 km trennen, rechneten wir mit 3-4 Tagen, denn wieder waren es reine Berg- und Talfahrten und somit sehr zeitintensiv. Zum Stichwort zeitintensiv gibt es vielleicht noch anzumerken, dass fast jeder peruanische Autofahrer von sich denkt, ein nicht entdeckter Formel 1 Fahrer zu sein, zumindest in Sachen Geschwindigkeit, kommt es hingegen zu Ausholmanöver oder Rückwärtsfahren, müssen beide Augen zugedrückt werden. Wenige Kilometer vor Cusco bogen wir nochmals von der Hauptverkehrsstrasse ab und besuchten in Maras die Salzterrassen. Die gleissend weissen Becken, eingefasst von Salzkrusten und von oben gespeist von einer sehr salzhaltigen Quelle, stapeln sich kunstvoll auf breiter Front den Hang hoch.

Das erworbene „boleto turistico“ berechtigte uns dann für die Besichtigung von diversen Museen in Cusco und Ruinen in der Umgebung der Stadt, wovon wir einige sogar vom Camping zu Fuss erreichen konnten. Die Stadt gefiel uns gut und wir verbrachten hier zwei schöne Abende mit Maja und Peter vom Appenzellerland.

Gut akklimatisiert fuhren wir dann weiter Richtung Süden zum Rainbow Mountain, wo wir bereits früh am Nachmittag ankamen und spontan entschieden, die ca. 600 Höhenmeter zum Berg noch hochzulaufen. Viele Tourbusse waren bereits wieder auf dem Rückweg nach Cusco, die letzten Leute kamen uns noch zu Fuss entgegen. Unser Blitzentscheid hat sich gelohnt, die Aussicht traumhaft schön und wir Menschenseelen alleine. Zurück beim Parkplatz fuhren wir wieder etwas runter, um uns mit dem sympathischen Paar Julia und Constantin zu treffen, denen wir erstmals in Caraz, dann in Cusco wieder begegnet sind. Am nächsten Tag, diesmal um die Mittagszeit, nahmen wir den Weg zum Regenbogenberg auf 5050 M.ü.M. nochmals zu viert unter die Füsse. Infolge wolkenverhangenem Wetter bestand kein Grund zur Eile und es lohnte sich sogar zu warten, denn ganz oben riss es nach starkem Schneegestöber sogar noch für uns auf, was für ein Glück! Danke euch zwei, auch für die kulinarische Gastfreundschaft in eurem rollenden zuhause. Bis zum nächsten mal, reisen alle beide doch Richtung Süden.

Nach 3 Nächten entlang des Titikakasees trieb uns der geplante Autoservice nach Bolivien, wo an den kleinen Grenzposten zum ersten Mal unser spanisches Verhandlungsgeschick getestet wurde, hahahaha, als könnten wir auf spanisch verhandeln

Weitere Bilder findet man in der Galerie, unter Südamerika - Peru


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