Uruguay - Roger Anderes Fotografie

Uruguay

Reisedauer: 3. April - 23. April 2019

Gefahrene Kilometer:1’772 km

Der Grenzübertritt nach Uruguay war wie gewohnt freundlich und einfach. Erneut mit einem neuen Land und somit einer neuen Währung konfrontiert, fuhren wir kurz in die Stadt Salto rein, besorgten Geld und eine Sim Karte und fuhren dann zur nahen Therme San Nicanor, wo wir im anfangs noch zu warmen Thermalwasser unsere Gliedmassen verwöhnen konnten.

Nach dem ersten Abend schien es fast, als wurde es über Nacht Herbst. Nach einem kurzen starken Wind sanken die Temperaturen merklich, die Nächte wieder herrlich frisch, machte das warme Thermalwasser plötzlich Sinn. Diese Thermen sind unglaublich schön und ruhig gelegen, wir fanden hier alles, was wir brauchten und dennoch zog es uns nach 2 Nächten weiter, weiter an die Ostküste ans Meer und zu unseren Freunden.

Für die ca. 780 km gaben wir uns 3 Tage Zeit und fuhren am ersten Tag durch die von Palmen gesäumte Gegend. An einem schönen See nahe Tacuarembo klappten wir das Dach für die Nacht auf.

Entlang der Ruta 26, später Ruta 8, bogen wir am nächsten Tag kurz vor Treinta y Tres auf eine Piste ab, die uns in den Park Quebrada de los Cuervas brachte. Es war mittlerweile Sonntag Nachmittag und wir die einzigen weit und breit. Am Montag standen wir zeitig auf, wollten wir noch etwas Bewegung, bevor es dann definitiv an die Küste ging.

Uns am Schlafplatz von Reni und Marcel zu treffen, war perfekte, den dieser thronte oben mit Blick auf das Meer. Als wäre das nicht schon traumhaft genug, sahen wir da in der Ferne auch Delfine springen. Von da bewegten wir uns dann die nächsten 48 Stunden keinen Millimeter mehr. Unsere Freude über das Wiedersehen war gross und so fielen wir am ersten Abend erst kurz vor zwei Uhr müde ins Bett. Es gab auch am nächsten, übernächsten, über- übernächsten etc. Tag viel zu erzählen, und trotzdem wechselten wir dazwischen sogar mal das Nachtlager. Grundbedürfnisse mussten gestillt resp. besorgt werden. Auf dem Weg in den 11 km weiter nördlich gelegenen Nationalpark Santa Teresa besuchten wir noch die alte Festung ‚Fortaleza de Santa Teresa‘, die im 18 Jh. von den Portugiesen erbaut wurde.

Nach 5 Nächten verabschiedeten wir uns genau an dem Ort wieder, wo wir unser Wiedersehen feierten. Denn nach 2 Nächten im Nationalpark kamen wir zurück, zum Schlafplatz hoch oben, mit Blick aufs Meer und den Delfinen.

In gegengesetzte Richtung reisend, sagten wir uns dann für wenige Tage ‚tschüss‘, den unsere Weiterreise führte uns weiter entlang der Küste südwärts, welche die beiden Tage zuvor rauf gefahren sind.

Cabo Polonia steuerten wir als nächstes an. Leider darf die 7 km lange Sandpiste dorthin nur noch organisiert mit einem Truck zurückgelegt werden. Viel lieber wären wir selber dahin gefahren, stiegen dann aber auf das Dach des Trucks und genossen einen herrlich warmen Nachmittag im kleinen, alten Fischerdorf, welches aus vielen bunten Holzhütten, herzigen Souvenirläden, Restaurants und einem schönen Leuchtturm besteht. Auch befindet sich da die zweitgrösste Seelöwen Kolonie Uruguays und wird auch gerne von Surfern und Hippies heimgesucht.

Die beiden Küstenorte La Pedrera und La Paloma, welche zu Uruguays besten Surfspots gehören, wirken fast ausgestorben. Die Saison neigt sich dem Ende zu, nebst uns sind kaum Touristen auszumachen und viele Geschäfte bleiben sogar geschlossen.

Je näher wir Montevideo kamen, desto moderner wurden die Häuser und Touristenanlagen. Durch San Ignazio, wo wir beim Leuchtturm einen Fotostop machen, genossen wir vom Auto aus fast so etwas wie eine Immobilienshow, ein Haus moderner als das andere.

Wenige Tage später trafen wir im 80 km von Montevideo entfernten Campingplatz Paraiso Suizo ein, wo wir auch wieder auf „swissnomads“ trafen. Wir staunten über die vielen Overlander hier, die entweder vor kurzem in Uruguay ankamen oder wie wir, kurz vor der Abreise standen. Auf diesem Camping findet man Schweizer Standart, warme und saubere Dusche/WC, Waschmaschine, gutes WLAN und mit Heinz und Silvia sehr nette und hilfsbereite Schweizer Gastgeber. Ein idealer Ort, die Reise zu starten oder zu beenden.

Vor unsere Heimreise machten wir nochmals einen Abstecher und fuhren zu viert nach Colonia del Sacramento, einer hübschen, überschaubaren Kolonialstadt. Obwohl der Abstecher insgesamt über 500 km betrug, hat sich’s für uns geloht. Wetter verwöhnt wie wir in Uruguay die ganzen 3 Wochen waren, genossen wir auch hier einen strahlend sonnigen Herbsttag und lernten noch Freunde von Reni und Marcel kennen.

Conny’s Geburtstagsmorgen noch zu viert verbracht, folgten dann nur noch Abschiede. Zuerst von Reni und Marcel, später von Maja und Peter, die wir vor Monaten in Peru kennenlernten und von weiteren auf dem Camping weilenden. Der emotionalste stand uns noch bevor, jener von Südamerika. Die Menschen waren gut zu uns. Wir durften den Kontinenten selber bereisen und uns eine eigene Meinung darüber bilden. Im Vorfeld oft üble und negative Geschichten bzgl. Kriminalität gehört, erlebten wir diese nicht und sind dankbar dafür. Wir trafen auf viele offene Türen, meist auch auf herzliche, lebensfrohe und oft sehr grosszügig Menschen, korrekte und steht’s freundliche Polizisten, bunte Märkte und atemberaubende, abwechslungsreich Natur und Tiere, sei dies auf 0 oder auf 5200 M.ü.M. gewesen.

Mit 4 Tagen Verspätung wurden wir dann am Abfahrtstag der Grande Nigeria auf 09:30 bestellt, um 12:00 war Kabinenbezug und das erste Essen an Bord. Die Reisefahrzeuge, welche ohne ihre Besitzer verladen wurden, hat man sorgfältig auf vorhandene Gastanks und Gasflaschen untersucht. Seit dem Unglück der Grande America, die vor 1 1/2 Monaten nach einem Brand an Bord gesunken ist, nimmt man diese Vorschrift nun ernst, denn dieses Verbot hat eigentlich schon vor dem Unglück bestanden. Tatsächlich wurden 4 Reisefahrzeuge am Hafen zurück gelassen. Deren Besitzer, alle Europäer, waren wahrscheinlich schon in ihrem Heimatland und hatten davon noch keine Kenntnisse. Redland, für unser letztes Abenteuer sauber gemacht, kriegte kurz nach 18:00 freie Fahrt auf Deck 6.

Nach 20 Uhr war es dann tatsächlich so weit, wir verliessen Südamerika. Im Vorfeld platzen wir fast vor Aufregung und Vorfreude auf die kommenden Tage an Bord. Nach unserer bisher besten Entscheidung, im Februar 2017 überhaupt aufzubrechen, war diese, langsam und zusammen mit Redland die Heimreise auf einem Cargoschiff zu erleben, unsere zweitbeste. Emotionslos, nicht wissend, ob dies nun ein erfreulicher oder trauriger Moment ist, standen wir an der Reling und schauten 2 Booten zu, welche die Grande Nigeria vom Dock weggezogen haben. Zurück blieb das Lichtermeer der Stadt Montevideo und jene der -zig grösseren und kleineren Schiffe, Frachter und Kranen.

Da wir das erst Schiff waren, das nach den neuen, seit dem 1. April 2019 gültigen Regeln, abgefertigt wurde, waren wir bis zum Verlad von Redland etwas angespannt. Es wurde im Vorfeld so viel darüber geredet und geschrieben, wir mochten nicht mehr darauf angesprochen und damit konfrontiert werden, denn wie immer, haben wir uns auf das Bevorstehende bestmöglich vorbereitet. Den ganzen Tag nichts anderes gemacht als gegessen und gewartet, wiegelte uns das grosse temporäre zuhause früh in den Schlaf.


Powered by SmugMug Log In